Bayerisches Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung (BZeFK)
Der Forschungsverbund „Bayerisches Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung“ (BZeFK) ist ein vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördertes Regionalcluster der Friedens- und Konfliktforschung. Mit seiner Vernetzungsarbeit in der Deutungskämpfe-Forschung und einem Fokus auf den Transfer der Expertise im Feld der Konfliktbearbeitung und Friedensforschung zielt das Zentrum auf die weitere Stärkung und strukturelle Verankerung der Friedens- und Konfliktforschung in Bayern. Anknüpfend an die langjährigen Arbeiten des Augsburger Lehrstuhls für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung und die erste BZeFK-Förderphase (2022-2026) steht eine praxisorientierte, inter- und transdisziplinäre Forschung zu sozialen Konflikten und den Bedingungen des Friedens im Mittelpunkt des Zentrums. An dem nun bis März 2028 verlängerten Forschungsverbund zum Thema „Deutungskämpfe im Übergang“ sind Wissenschaftler*innen der Universitäten Augsburg, Bayreuth sowie des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin beteiligt. In Augsburg stehen Deutungskämpfe um Verantwortung in den Diskursen um sexualisierte Gewalt im Mittelpunkt des Forschungsinteresses sowie die Fortführung des Transferzentrums Frieden Augsburg (TFA).
Eine Theorie der Dritten
„Eine Theorie der Dritten. Bystander als konstitutive Akteursposition in Gewaltkonstellationen. Eine sozialwissenschaftliche Rekonstruktion und ihre Schlussfolgerungen für Prävention, Intervention und Aufarbeitung“ (Arbeitstitel)
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Rolle von „Dritten“ in Gewaltkonstellationen – insbesondere im Kontext sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend – sozialwissenschaftlich zu rekonstruieren und theoretisch weiter auszuarbeiten. Ausgangspunkt ist die in den letzten Jahrzehnten deutlich ausdifferenzierte Gewaltforschung, die Gewalt zunehmend als interaktives, situatives und sinnhaftes Geschehen versteht (vgl. Sofsky 1997; Collins 2008; Reemtsma 2008; Koloma Beck 2017; Hoebel/Knöbel 2019). An diese Entwicklungen anschließend richtet das Projekt den Fokus auf jene Akteurspositionen, die jenseits der unmittelbaren dyadischen Beziehung von Tatpersonen und Betroffenen angesiedelt sind und in vielfältiger Weise an Gewaltkonstellationen beteiligt sind. Im Zentrum steht die Annahme, dass Dritte – etwa als Peers, Fachkräfte, Angehörige oder institutionelle Akteur:innen – wesentlich zur Hervorbringung, Stabilisierung, Transformation oder Unterbrechung von Gewalt beitragen können. Ziel ist es, Bystander als relationale und dynamische Akteursposition zu konzeptualisieren, die zwischen Handlungs(ohn)macht situativen Dynamiken und strukturellen Rahmenbedingungen vermittelt (Agency). Das Projekt knüpft dabei an triadische Ansätze der Gewaltforschung (vgl. Reemtsma 2008; Koloma Beck/Schlichte 2018; Hartmann 2019) sowie an sozialtheoretische Überlegungen zur Figur des Dritten (vgl. Bedorf et al. 2010) an und verbindet diese mit interpretativen und rekonstruktiven Zugängen, insbesondere Agency- und Positioning-Analysen (vgl. Lucius-Höhne/Deppermann 2004; Helfferich 2012; Kruse 2015). Empirisch basiert die Arbeit auf einer qualitativ-rekonstruktiven Sekundäranalyse dreier Datensätze aus den Bereichen Prävention, Intervention und Aufarbeitung. Der wissenschaftliche Beitrag des Projekts liegt darin, bestehende theoretische Perspektiven auf Gewalt um eine systematische Analyse der Rolle Dritter zu ergänzen und diese empirisch zu fundieren. Zugleich zielt das Projekt auf praxisrelevante Implikationen, indem es Ansatzpunkte für Prävention, Intervention und Aufarbeitung entwickelt, die die komplexen Deutungs- und Handlungssituationen von Bystander:innen berücksichtigen (vgl. Banyard 2011; Labhardt et al. 2017). Damit versteht sich die Arbeit als Beitrag zur weiteren Differenzierung und Integration aktueller Debatten in der Gewaltforschung sowie zur evidenzbasierten Weiterentwicklung entsprechender Literatur.
Dynamiken sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen: Erkennen, Verstehen und Handeln
Wie wirken soziale Dynamiken unter Peers in Bezug auf sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen? Und wie können wir Jugendliche dabei begleiten, sichere, respektvolle Begegnungen zu gestalten?
Die Adoleszenz ist eine Hochrisikophase für sexualisierte Gewalt, in der mehr als die Hälfte der Jugendlichen entsprechende Erfahrungen macht und rund 70 Prozent Übergriffe in ihrem Umfeld beobachten. Am häufigsten finden diese Übergriffe unter Gleichaltrigen und im vertrauten sozialen Raum statt – etwa in der Schule, im Freundeskreis oder in Beziehungen.
Mit diesem aktuellen und gesellschaftlich relevanten Thema beschäftigt sich das Projekt „Dynamiken sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen“. Der Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung der Universität Augsburg kooperiert hierfür mit der Technischen Hochschule Augsburg (Prof. Janine Linßer) in der Entwicklung, Konzeption und Verbreitung des offenen Online-Kurses „Dynamiken sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen: Erkennen, Verstehen und Handeln“ im Rahmen der Virtuellen Hochschule Bayern (vhb).
Der Kurs basiert auf Ergebnissen mehrerer bundesweiter, vom BMBF geförderter Forschungsprojekte wie CHAT, SP:PAS und PAD, durchgeführt unter anderem vom DJI, BIÖG, DGfPI und SoFFI F., die sich mit der Prävention sexualisierter Gewalt im Jugendalter befassen. Diese Projekte zeigen: Jugendliche erkennen sexualisierte Gewalt häufig als Problem und sehen sich in der Verantwortung – aber sie tun sich in konkreten Situationen schwer mit der Einschätzung, und es fehlt ihnen an Handlungssicherheit. Vorbilder und Ansprechpersonen spielen hier eine zentrale Rolle als Begleiter*innen, um sichere Räume und Handlungsmöglichkeiten für die Jugendlichen anzubieten. Genau hierfür wurden im Projekt CHAT praxisorientierte Inhalte wie Fallvignetten, Rollenspiele und Reflexionsanregungen entwickelt und als wirksam evaluiert.
Diese fließen in den Kurs ein, ergänzt durch Kapitel zu rechtlichen und digitalen Aspekten sowie durch Hinweise auf Anlaufstellen und aktuelle Forschung. Ziel ist es, Fachkräfte, Studierende, Interessierte und Begleitpersonen im Umgang mit Jugendlichen zu diesem Thema zu stärken.
KURSPROFIL UND ZIELGRUPPE
Der Kurs wird im Rahmen der vhb gefördert – einer gemeinsamen Plattform bayerischer Hochschulen für hochwertige, digitale Lehre. Die Kurse der open vhb sind offen zugänglich, kostenlos und erfordern keine Einschreibung. Der Kurs richtet sich insbesondere an Studierende und Praktiker*innen aus Bereichen wie Sozialer Arbeit, Erziehungswissenschaften, Lehramt, Psychologie, Sozialwissenschaften sowie an Lehrkräfte, Fachkräfte und Ehrenamtliche verschiedener Felder, etwa Bildungsträger oder die (stationäre) Kinder- und Jugendhilfe, Jugendverbands- und Vereinsarbeit. Darüber hinaus steht der Kurs allen Interessierten offen.
Der Kurs versteht sich als Einstieg in das Thema sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen. Er soll wissenschaftlich fundiertes Wissen vermitteln, eine Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglichen, Handlungssicherheit fördern, Strategien reflektieren und dazu beitragen, dass sich Teilnehmende in ihrer pädagogischen Praxis sicherer fühlen. Ziel ist es auch, eigene Grenzen besser wahrzunehmen und Schutzstrategien zu entwickeln. Der Kurs wird niedrigschwellig und kostenfrei zugänglich sein über die Plattform open vhb (https://open.vhb.org/). Eine Einschreibung oder Prüfungsleistung ist nicht erforderlich.
Wichtig: Der Kurs ist keine therapeutische Maßnahme oder Beratungsstelle. Bei eigenen Betroffenheiten oder Anzeichen psychischer Belastung wird empfohlen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
In akuten Fällen:
Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530
(Mo., Mi., Fr.: 9.00 bis 14.00 Uhr & Di., Do.: 15.00 bis 20.00 Uhr), bundesweit, kostenfrei und anonym erreichbar.
https://www.hilfe-portal-missbrauch.de/startseite,
https://www.nummergegenkummer.de/
https://nina-info.de/
AUSBLICK, TRANSFER IN DIE PRAXIS UND DISSEMINATION
Das Projekt versteht sich als Beitrag zu einer praxisnahen Wissenschaftskommunikation. Ziel ist es, Erkenntnisse aus der Forschung nicht nur in der Wissenschaft zu diskutieren, sondern gezielt in die Fachpraxis, die Hochschullehre und den öffentlichen Diskurs zu bringen. Dies wird durch das Transferzentrum Frieden Augsburg (TFA) unterstützt.
So leistet der Kurs auch einen Beitrag zur Friedens- und Konfliktforschung, wie sie am Lehrstuhl für Politikwissenschaft in Augsburg verstanden wird: reflexiv, gesellschaftsorientiert und handlungsbezogen. Durch den Dialog mit der Praxis kann Forschung dazu beitragen, Schutzprozesse weiterzuentwickeln, pädagogische Handlungssicherheit zu fördern und Jugendlichen stärkende Strukturen im Alltag zu bieten.
Deutungskämpfe im Übergang
Projektbeschreibung:
Der Forschungsverbund „Bayerisches Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung“ (BZeFK) ist ein vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) für vier Jahre gefördertes Regionalcluster der Friedens- und Konfliktforschung. Seit April 2022 bringt der Verbund Wissenschaftlerinnen der Universitäten Augsburg, Bayreuth und Erlangen-Nürnberg sowie des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin (IfZ) zusammen, die ihre Forschung vernetzen sowie die Friedens- und Konfliktforschung in Bayern stärken und strukturell weiter verankern. Hierzu macht er auch Vernetzungsangebote für alle Wissenschaftlerinnen, die in Bayern Friedens- und Konfliktforschung betreiben. Der erste Vernetzungsworkshop findet am 2. und 3. Februar 2023 in Augsburg statt.
Die inhaltliche Klammer des interdisziplinären Forschungsverbunds mit insgesamt acht sozial- und geschichtswissenschaftlichen Einzelprojekten sind „ Deutungskämpfe im Übergang“, also gesellschaftspolitische Konflikte um Deutungen, die besonders am Ende einer Gewaltherrschaft, beim Übergang vom Krieg zum Frieden oder im Zuge der Neubewertung gewaltvoller Vergangenheiten stattfinden. Deren Verlauf und Ergebnisse sind – so die im Verbund geteilte Ausgangsannahme – von großer Bedeutung für den aktuellen und zukünftigen gesellschaftlichen Frieden. Im Fokus stehen verschiedene thematische Schwerpunkte wie „Deutungskämpfe um Friedensstrategien nicht-staatlicher Akteurinnen“, „Deutungskämpfe um Gewalt“ sowie „Deutungskämpfe um universale Rechte und Diversität“.
Was wird erinnert und mit welchen Bewertungen versehen, welche Wahrheit wird aufgeklärt und durch wen autorisiert, wer besitzt Deutungsmacht, wer hinterfragt sie? Solche Fragen verweisen auf Deutungskämpfe, die etwa daraufhin analysiert werden, wie Konflikte um machtvolle Bedeutungszuschreibungen im Kontext historischer Wandlungsprozesse gesellschaftlich und politisch ausgetragen werden und unter welchen Voraussetzungen sie einen Beitrag zum Frieden leisten können, wobei auch Frieden Objekt von Deutungskämpfen sein kann. Gerade in Phasen des Übergangs – etwa von politischen Ordnungen, historischen Epochen oder gesellschaftlich dominanten Wertvorstellungen – werden „alte“, nicht selten überwunden geglaubte Auseinandersetzungen und die sie kennzeichnenden Konfliktlinien und politischen Positionen in neuer Gestalt und unter veränderten Bedingungen aktualisiert. Beteiligte tragen dann beispielsweise Konflikte über divergierende Sichtweisen der Vergangenheit aus, um darüber ihre Positionen in der Gegenwart zu untermauern und die Zukunft zu gestalten. Solche Auseinandersetzungen können eskalieren, bieten im Rahmen konstruktiver Konfliktbearbeitung aber auch Chancen, Frieden zu befördern und aktiv zu gestalten.
Der Forschungsverbund untersucht Deutungskämpfe in interdisziplinärer Perspektive mit multi-methodischem Zugang anhand von Fallbeispielen aus verschiedenen Epochen und Weltregionen. Auf diesem Wege nähert sich der Verbund drängenden gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit und zielt damit einerseits unter einer geschichts- und sozialwissenschaftlichen Profilbildung auf die vergleichende Analyse unterschiedlicher Deutungskämpfe und andererseits auf wirkungsvolle Transfer- und Kommunikationsformate für Multiplikatorinnen, regionale Öffentlichkeiten und die Politikberatung sowie die nachhaltige Strukturbildung der bayerischen Friedens- und Konfliktforschung.
Weitere Informationen finden sich auf der Verbund-Homepage „ Deutungskämpfe im Übergang“ (conflicts. meanings. transitions).
Gefördert durch:
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Kooperationspartner:
I- Institut für Zeitgeschichte München-Berlin
- Lehrstuhl Soziologie Afrikas der Universität Bayreuth
- Lehrstuhl für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte der Universität Erlangen-Nürnberg
- Institut für Fränkische Landesgeschichte
- Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Augsburg
- Bayerische Initiative für Friedens- und Konfliktforschung
Deutungskämpfe um Frieden und Gewalt in der Kolonialität des Friedens
Projektbeschreibung:
Das Forschungsprojekt „Deutungskämpfe um Frieden und Gewalt in der Kolonialität des Friedens“ untersuchte, wie Frieden aus dekolonialen Perspektiven konzeptionell befragt werden kann, welche Reibungspunkte sich daraus mit etablierten Friedensvorstellungen ergeben und welche theoretischen und praktischen Impulse hieraus gewonnen werden können. Im Zentrum stand die Annahme, dass Friedensvorstellungen nicht neutral sind, sondern historisch gewachsen, politisch umkämpft und in koloniale Macht- und Wissensordnungen eingelassen sein können.
Dazu wurde die „Kolonialität des Friedens“ (Azarmandi/Pauls 2024) in den Blick genommen und in Zusammenhang mit Deutungskämpfen um Gewalt gestellt. Die Kolonialität des Friedens verweist auf modern-liberale Frieden, wie sie für koloniale und imperiale Zwecke instrumentalisiert werden und wurden. Friedensanrufungen dieser Art werden vor allem in ihrer diskursiven Nutzung durch europäische, zumeist staatliche Akteur*innen problematisiert. In der Analyse wurden Konzepte epistemischer (Spivak 1988; Brunner 2020) und onto-epistemischer Gewalt (vgl. Krohn/Pauls 2023) mit direkten Gewalt- und Unterdrückungsformen zusammengebracht. Das Projekt untersuchte, wie modern-liberale Friedensverständnisse Gewaltverhältnisse sichtbar machen, aber auch verdecken können. Deutlich wurde, dass die Leugnung historischer Ungerechtigkeit, insbesondere in Bezug auf Kolonialismus und koloniale Gewalt, welche als vergangen, abgeschlossen oder außerhalb gegenwärtiger gesellschaftlicher Friedensordnungen verortet werden, differenzierte Auseinandersetzungen mit anhaltenden kolonialen und rassistischen Hierarchien erschwert.
Deutungskämpfe wurden dabei nicht nur als Auseinandersetzungen um unterschiedliche Interpretationen verstanden, sondern als epistemische Kämpfe: Umkämpft sind nicht allein einzelne Begriffe oder Narrative, sondern auch die Wissensordnungen, innerhalb derer Friedensvorstellungen überhaupt verhandelbar werden (Pauls 2024). Dadurch wurde sichtbar, dass Friedenswissen von rassistischen und kolonialen Hierarchien durchzogen ist und diese auch reproduzieren kann. In der Konsequenz erfordert eine umfassende Dekolonisierung, dass eine Dehierarchisierung von Friedenswissen stattfindet, die zwei Stoßrichtungen beinhaltet: die Dezentrierung und Destabilisierung von hegemonialem Friedenswissen und die Pluralisierung von Friedenswissen durch Stärkung marginalisierter Wissensformen.
Im Projekt wurden anhand ausgewählter Fallbeispiele dekoloniale erinnerungsaktivistische Interventionen im öffentlichen Raum als Deutungskämpfe um Zusammenhänge zwischen Frieden und Gewalt untersucht. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei künstlerischen und aktivistischen Praktiken, die koloniale Gewaltverhältnisse in Deutschland thematisieren und mit gegenwärtigen Fragen von Frieden, Gewalt und Gerechtigkeit verbinden. Ein regionaler Schwerpunkt lag auf Augsburg und den Auseinandersetzungen um die kolonialen Verflechtungen der sogenannten Friedensstadt, insbesondere im Kontext der Welserkolonie (Pauls 2025).
Das Projekt (Laufzeit: 2022 - 2026) verband theoretisch-konzeptionelle Arbeit mit empirischen Fallanalysen und transferorientierten Reflexionen. Als zentrales Ergebnis ging daraus die kumulative Dissertation „Tracing Cracks: Erinnerungsaktivismus als Friedensarbeit – Dekoloniale Impulse für Friedenswissen in Friedensforschung und Friedensbildung“ (Pauls 2026) hervor. Die Dissertation rekonstruiert dekolonialen Erinnerungsaktivismus als friedensrelevante Praxis, die hegemoniale Wissensordnungen aufbricht und Friedensforschung wie Friedensbildung um dekoloniale, konfliktsensible und machtkritische Perspektiven erweitert.
Literatur:
- Pauls, Christina (2026): Tracing cracks: Erinnerungsaktivismus als Friedensarbeit. Dekoloniale Impulse für Friedenswissen in Friedensforschung und Friedensbildung, Dissertation: Universität Augsburg. https://opus.bibliothek.uni-augsburg.de/opus4/frontdoor/index/index/docId/129269
- Pauls, Christina (2025): „Hauntings of El Dorado: Decolonial Memory Activism and Contentious Artistic Interventions in Germany“. Contention 13(2), 45–74. https://doi.org/10.3167/cont.2025.130203
- Pauls, Christina (2024): „Struggles over Memory? Decolonial Memory Activism as Epistemic Struggle against Eurocentrism“. Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung. https://doi.org/10.1007/s42597-024-00131-4
- Azarmandi, Mahdis / Pauls, Christina (2024): „Coloniality of Peace“. Virtual Encyclopaedia – Rewriting Peace and Conflict. BMFTR – Network Postcolonial Hierarchies in Peace and Conflict. https://doi.org/10.5281/zenodo.18417572
- Pauls, Christina (2024): Rezension zu The Epistemic Injustice of Genocide Denialism von Melanie Altanian. Portal für Politikwissenschaft. https://doi.org/10.36206/REZ24.8
- Krohn, Juliana / Pauls, Christina (2023): „Friedensbildung otherwise? Überlegungen zu einer dekolonial informierten Friedensbildung“. Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung. https://doi.org/10.1007/s42597-023-00105-y
- Pauls, Christina (2023): „Performing Cracks in Public Memory: Undoing Epistemic Violence Through Artistic Interventions“. Journal für Entwicklungspolitik XXXIX(1–2), 50–73. https://doi.org/10.20446/JEP-2414-3197-39-1-50
- Krohn, Juliana / Pauls, Christina (2023): „Modern/koloniale Frieden – eine dekoloniale Perspektive auf Friedensforschung und -bildung“. Friedensakademie Rheinland-Pfalz Blog. Online: https://rptu.de/friedensakademie/blog/alle-beitraege/modern/koloniale-frieden-eine-dekoloniale-perspektive-auf-friedensforschung-und-bildung
- Pauls, Christina / Oppelt, Martin / Weber, Nicki K. (2022): „Staat und Postkolonie zwischen Einbruch und Aufbruch“. In: Oppelt, Martin / Pauls, Christina / Weber, Nicki K. (Hrsg.): Postkoloniale Staatsverständnisse. Baden-Baden: Nomos, S. 9–28.
- Oppelt, Martin / Pauls, Christina / Weber, Nicki K. (Hrsg.) (2022): Postkoloniale Staatsverständnisse. Baden-Baden: Nomos.
- Pauls, Christina (i.E.): „Cracking Peace: Divesting from the Coloniality of Peace through Decolonial Memory Activism“. In: Critical, Postcolonial, and Decolonial Approaches to Peace Education and Research, Special Issue, Journal for Peace Education, hrsg. von Hakim Williams, Jenny Ritchie, Maria José Bermeo, Rina Alluri und Staci Martin. Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 2026.
- Pauls, Christina / Azarmandi, Mahdis (i.E.): „Kolonialität des Friedens“. In: Mühlbauer, Josef / Mögling, Klaus (Hrsg.): Kritische Friedensforschung 2.0. Voraussichtliches Erscheinungsdatum: Herbst 2026.
Gefördert durch:
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Trialogischer Transfer von Konfliktexpertise
Das vom Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung initiierte und entwickelte Projekt „Trialogischer Transfer von Konfliktexpertise“ setzt die Methodologie Partizipativer Konfliktforschung bezogen auf Konfliktbearbeitung in Kommunen um. Das Projekt zielt auf den Austausch von Wissen und Erfahrungen zwischen der Praxis, etwa den Mitarbeitenden des Büros fur kommunale Prävention der Stadt Augsburg, der Wissenschaft - hier dem Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung der Universitat Augsburg - und Konfliktberaterinnen, etwa des „Forum Ziviler Friedensdienst“. In dessen Programm „Kommunale Konfliktberatung“ sind Menschen tätig, die ihre Konfliktexpertise dort zur Verfügung stellen, wo die Konfliktbeteiligten in Städten und Kommunen selbst keine Möglichkeit mehr sehen, ihre Konflikte konstruktiv zu bearbeiten, und sich deshalb von Konfliktberaterinnen unterstützen lassen. Praxis, Wissenschaft und Beratung verfügen über unterschiedliche Konfliktexpertise und können im Trialog - einem „Dialog“ zwischen drei Beteiligten - voneinander lernen. Dieser Trialogische Transfer von Konfliktexpertise fand 2022 in drei Formaten statt:
Über die Homepage „ konfliktexpertise.de“, die vom Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung gemeinsam mit dem Augsburger Büro fur Kommunale Prävention entwickelt wurde, auf welcher der Austausch in einem öffentlich sichtbaren Format stattfindet, um unmittelbar für weitere Praktikerinnen, Beratungseinrichtungen und Wissenschaftlerinnen zugänglich zu sein und weit über Augsburg hinausreichende Vernetzungen, Erfahrungsaustausch und Forschungszugänge zu ermöglichen.
Mit einem halbtägigen Onlinetreffen, bei dem eine erste Vernetzung von Praktikerinnen, Beraterinnen und Wissenschaftlerinnen, die über Expertise im Themenfeld verfügen, stattfand. Dabei erfolgte u.a. eine Sammlung von aktuellen Themen und Fragen aus der kommunalen Konfliktbearbeitung. Anschließend wurde in drei festen Arbeitsgruppen die eigene Expertise zu den Themen geteilt und dann alle Inhalte des Onlinetreffens in einem ausführlichen Protokoll festgehalten.
Eine zweitägige Präsenzveranstaltung in Augsburg zur vertieften Auseinandersetzung in wechselnden Kleingruppen mit drei Themenbereichen, die sich aus dem Onlinetreffen herauskristallisiert hatten und auch für die kommunale Konfliktbearbeitung in Augsburg von besonderer Relevanz sind: Voraussetzungen für eine nachhaltige Konfliktbearbeitung; Konfliktverständnisse und Konzepte der Konfliktbearbeitung; Partizipation in Konflikten und in der Konfliktbearbeitung.
Angeregt durch den vielfaltigen trialogische Austausch und die sehr produktive Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis, hier dem Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung und dem Büro für Kommunale Prävention der Stadt Augsburg, entstanden am Ende des Präsenztreffens unter den Beteiligten bereits neue Arbeitsgruppen und Projektideen, wie der Transfer von Konfliktexpertise zur weiteren Verbesserung der Praxis beitragen kann und zugleich die Wissenschaft von den Erkenntnissen und Erfahrungen der Praktikerinnen und Berater*innen profitiert, gerade in einem praxisorientierten Forschungsfeld wie der Friedens- und Konfliktforschung.
Die Konfliktberatung reflektierte während des Austauschs ihre Beratungspraxis im Lichte der Theorieentwicklung in der Konfliktforschung und der Praxiserfahrungen in unterschiedlichen Kontexten. Praktikerinnen stellten ihr Wissen und ihre Erfahrungen der Konfliktbearbeitung in den Kontext von Beratungskonzepten und Konflikttheorien, reflektieren ihre Expertise auf diesem Wege und leisten so auch Beiträge, Konflikttheorien und Beratungskonzepte weiter zu denken. Wissenschaft gewann Zugang zum Verstandnis von Konfliktbearbeitung in der Praxis, konnte den unmittelbaren Transfer theoretischen Wissens in Beratung und Praxis beobachten und neue Forschungsinteressen und Forschungsbedarfe ermitteln. Insbesondere eröffnen sich durch das Transfer-Projekt für den Lehrstuhl neue Perspektiven und Möglichkeiten der weiteren Zusammenarbeit mit Praxispartnerinnen für eine partizipative Konfliktforschung.
Das Projekt wurde im Jahr 2022 finanziell gefördert durch „ Wissenstransfer Region Augsburg“.
Partizipative Konfliktforschung zu den Wirkungen Kommunaler Konfliktberatung
Wie wirkt Kommunale Konfliktberatung in den Kommunen vor Ort? Dieser Frage widmet sich das Projekt „Partizipative Konfliktforschung zu den Wirkungen Kommunaler Konfliktberatung“. Dafür arbeitet der Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung der Universität Augsburg mit dem Programm Kommune & Konflikt von Pro Peace zusammen.
Das aktuelle Forschungsprojekt knüpft inhaltlich an die Erkenntnisse des Vorgängerprojekts an. Darin stand die Frage „Wie funktioniert Kommunale Konfliktberatung?“ im Vordergrund. Dieses Mal richtet sich der Blick auf die Wirkung der Beratung. Dazu nehmen wir bestehende Hypothesen und Annahmen darüber wissenschaftlich unter die Lupe.
Welche Wirkungshypothesen zur Kommunalen Konfliktberatung erweisen sich als belastbar? Und wie lassen sich diese Wirkung erfassen oder gar messbar machen? Anhand dieser Leitfragen arbeiten die Forschenden aus Wissenschaft und Praxis partizipativ in einem gemeinsamen Forschungsprozess, dessen Ergebnisse der Forschungsbericht dokumentiert.
Darüber hinaus identifizieren wir im Rahmen der Zusammenarbeit auch neue Herausforderungen für die Kommunale Konfliktberatung. Damit leisten die Forschenden einen wichtigen Beitrag zum Ausbau der Wissensbasis in Bezug auf innovative Herangehensweisen an Integration und zur Weiterentwicklung des Ansatzes.
Die Zusammenarbeit beinhaltet zudem die gemeinsame Planung und Durchführung universitärer Lehrveranstaltungen und anderer Transferformate.
Das Forschungsprojekt steht in der Tradition partizipativer Forschung, welche die Erfordernisse und Bedarfe der Praxis in den Fokus rückt. Ziel ist es konkret, die Praxis der Kommunalen Konfliktberatung gemeinsam zu reflektieren, sie wissenschaftlich weiter zu fundieren und im partizipativen Prozess – der Perspektiven von Praktikerinnen und Wissenschaftlerinnen systematisch und reflektiert miteinander verschränkt – weiterzuentwickeln. Damit verfügen Praktiker*innen der KKB unmittelbar über die gemeinsamen Forschungsergebnisse und können die gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis Kommunaler Konfliktberatung zurückfließen lassen. Zugleich wird die Praxisrelevanz der wissenschaftlichen Forschung gewährleistet, wie es für Friedens- und Konfliktforschung kennzeichnend ist.
Das Forschungsprojekt wurde im Februar 2026 erfolgreich abgeschlossen. Es wurde im Rahmen des Pro-Peace-Projekts "Kommunen im Fokus: Konflikte nutzen - Integration gestalten" (03/2023 - 02/2026) umgesetzt, welches aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) der Europäischen Union, durch das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung sowie durch das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen kofinanziert wurde.
Gefördert durch
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Deutungskämpfe zu und mit Menschenrechten
Projektbeschreibung:
Menschenrechte finden seit Jahrzehnten verstärkt Einzug in die Praxis von Aktivist*innen, sozialen Bewegungen und NGOs weltweit. In Reaktion auf Formen ihrer Missachtung und Verletzung dienen sie beispielsweise als wichtige Referenz für Protest und politische Forderungen in vielen (trans)lokalen Kämpfen oder als Orientierungsgröße für Inhalte und Prozesse der Wissensproduktion zu Konflikten (Bake/Zöhrer 2017) sowie struktureller, zum Beispiel gender-basierter Gewalt. Gleichzeitig waren und sind Menschenrechte selbst Gegenstand von Konflikten, etwa wenn ihr westlicher Ursprung in der Kritik oder ihr Universalitätsanspruch zur Disposition steht.
Um besser zu verstehen, wie Menschenrechte in Praxis mit Leben gefüllt werden und wie um sie und mit ihnen Deutungskämpfe ausgetragen werden, wird in einem ersten Schritt des sozialwissenschaftlichen Projekts die bis heute andauernde „Diskursgeschichte“ zu Menschenrechten und Geschlecht (Rudolf 2014) als die auch materiale Geschichte von Deutungskämpfen rekonstruiert. Im nächsten Schritt liegt das Hauptaugenmerk auf qualitativ-empirischen Fallstudien zu gegenwärtiger feministischer Menschenrechtspraxis. Dabei ist geplant, zentrale Elemente partizipativer Konfliktforschung aufzugreifen und zur Anwendung zu bringen.
Literatur:
- Bake, Julika/Zöhrer, Michaela 2017: Telling the Stories of Others: Claims of Authenticity in Human Rights Reporting and Comics Journalism, in: Journal of Intervention and Statebuilding 11: 1 (Special Issue: The Art of Composing the Picture: Knowledge Production in Conflict and Intervention), 81-97.
- Rudolf, Beate 2014: Menschenrechte und Geschlecht – eine Diskursgeschichte, in: Lembke, Ulrike (Hrsg.): Menschenrechte und Geschlecht. Baden-Baden: Nomos, 24-50.
EUCTER - Jean Monnet Research Network
Projektbeschreibung:
At the heart of this research network is the intersection of two fundamental areas of EU policy - the Area of Freedom, Security and Justice and EU counter-terrorism policy and law. Based on conflict-theoretical perspectives, the political areas of tension are considered in connection with the prevention of radicalization, the de-escalation of conflicts and EU counter-terrorism policies. The project aims to discover and explain if and why cooperation and diplomacy in the field of counter-terrorism in the EU and its member states have increased relevance. EUCTER is a research-led excellence network, comprising fourteen partners, with the aim of advancing cutting-edge blended learning formats with a strong policy relevance in the area of the EU Counter-Terrorism. The network brings together three inter-related teaching and research areas: EU justice and home affairs, EU counter-terrorism and EU external relations.
The European Counter-Terrorism Jean Monnet Research Network (EUCTER) is led by the International Centre for Policing and Security – University of South Wales and includes the University of the West of England Bristol and Cardiff University in the UK, Dublin City University in Ireland, the University of Augsburg (Chair of Political Science, Peace and Conflict Studies) in Germany, the Egmont Institute in Belgium, the University of Maastricht in the Netherlands, the University of Pisa in Italy, CIDOB Barcelona and the University of Deusto Bilbao in Spain, the University of Iasi in Romania, Prague Metropolitan University in the Czech Republic, the IDC Herzliya in Israel and the University of Jendouba in Tunisia.
Partizipative Konfliktanalysen zur Friedensstadt Augsburg
Ein gemeinsames Forschungsprojekt mit der Stadt Augsburg
Projektbeschreibung:
Im Auftrag der Stadt Augsburg wurde das partizipative Forschungsprojekt „Friedensstadt Augsburg: eine sozialwissenschaftliche (Konflikt-)Analyse als Baustein einer sozialraumorientierten Weiterentwicklung des Friedensfests und der unterjährigen Friedensarbeit in der Stadt Augsburg“ durchgeführt (Laufzeit: Dezember 2023 - November 2024). Die Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg hatte den Lehrstuhl beauftragt, zur Umsetzung eines Beschlusses des Kulturausschusses einen partizipativen Prozess zur konzeptionellen Weiterentwicklung des Friedensbüros und zur zukünftigen Ausgestaltung des Friedensfests wissenschaftlich zu begleiten. Durchgeführt wurde das Projekt von Dr. Rebecca Gulowski in Zusammenarbeit mit Magdalena Holz, M.Sc., und Prof. Christoph Weller.
Vorgehen: In dem Projekt wurde mit dem Ansatz einer Partizipativen Konfliktforschung vor allem konfliktanalytischen Fragestellungen hinsichtlich der politischen Entscheidungsprozesse zur Weiterentwicklung der Friedensarbeit und des Friedensfests in Augsburg nachgegangen. Es wurde untersucht, welche unterschiedlichen Vorstellungen und Positionen sich hinsichtlich der Bedeutung, Ziele und Wirkungen des Augsburger Hohen Friedensfests, der darauf bezogenen Friedensfestaktivitäten und der unterjährigen Friedensarbeit für die Friedensstadt Augsburg bei den Beteiligten erfassen lassen. Es wurde partizipativ ein Online-Befragungs-Tool entwickelt, bei dem geschlossene und offene Fragen kombiniert wurden. Die geschlossenen Fragen wurden statistisch ausgewertet. Neben deskriptiv-statistischen Auswertungen wurden Korrelations- und Missing-Analysen durchgeführt. Der Schwerpunkt der Analyse lag jedoch auf der qualitativen Analyse der offenen Antworten. Die qualitative Datenanalyse folgte einem mehrstufigen Kodierverfahren, das auf der systematischen Analyse der Antworten der Befragten basierte. Um die Konflikte und Konfliktlinien in ihrer Struktur und Dynamik zu verstehen, wurden sozialwissenschaftliche Konflikttheorien sowie sozialraumorientierte Perspektiven herangezogen. Heuristiken, die spezifische Dimensionen der Konfliktanalyse betonen, halfen, die komplexen Beziehungsgeflechte und Interessen der Akteur*innen innerhalb des Projekts detailliert zu beleuchten. Besonders berücksichtigt wurden die Polarisierungen und mittleren Positionen, die Teilbarkeit bei einzelnen Konfliktgegenständen (Kompromissmöglichkeiten) und die Unterscheidung von Konflikt und Konfliktlinien im empirischen Material.
KomPa - Kommunale Konfliktberatung und Partizipative Konfliktforschung
Projektbeschreibung:
Mit dem Ziel, Kommunale Konfliktberatung (KKB) besser zu verstehen und weiterzuentwickeln, arbeiten Mitarbeiterinnen der Kommunalen Konfliktberatung des Forums Ziviler Friedensdienst (forumZFD) und Mitglieder des Lehrstuhls für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung der Universität Augsburg seit 2019 zusammen, aktuell im Projekt „Kommunale Konfliktberatung und Partizipative Konfliktforschung“ (KomPa). Die Kooperation schließt daneben auch universitäre Lehrveranstaltungen zur KKB und andere Transferformate ein.
Das KomPa-Projekt erhält seit 6/2021 finanzielle Förderung durch den Asyl‑, Migrations- und Integrationsfonds der Europäischen Union (AMIF) im Rahmen des Projekts „Kommunale Konfliktberatung: Konflikte als Chance für eine nachhaltige Integration“ des forumZFD.
Das Forschungsprojekt: Wie funktioniert KKB?
Auf der Grundlage einer partizipativen Methodologie forschen Mitarbeiterinnen des forumZFD und des Augsburger Lehrstuhls für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung gemeinsam zu einer sowohl theoretisch wie praktisch relevanten Frage. Die Forschungsfrage von KomPa lautet: Wie funktioniert Kommunale Konfliktberatung (KKB)? Diese sehr offen formulierte Forschungsfrage ermöglicht es, die verschiedenen Einsichten und Verständnisse aus Praxis und Forschung immer wieder neu miteinander ins Gespräch zu bringen und die vielfältigen Methoden partizipativer Forschung intensiv zu nutzen, um zu einem gemeinsamen Verständnis dessen zu gelangen, was KKB (aus)macht. Es werden unterschiedliche Beobachtungen dokumentiert, Daten erhoben, Erfahrungen festgehalten und Wissensbestände aufbereitet, um durch deren gemeinsame Analyse und Reflexion ein differenziertes Bild der mit KKB verbundenen Prozesse zu gewinnen. In Partizipativer Konfliktforschung wird Differenzen zwischen den verschiedenen Perspektiven und Konflikten bezogen auf diese Differenzen besondere Aufmerksamkeit geschenkt und die entsprechende Konfliktbearbeitung als Modus des kollektiven Erkenntnisprozesses verstanden.
Praxisrelevante Forschung
KomPa steht in der Tradition partizipativer Forschung, welche die Erfordernisse und Bedarfe der Praxis in den Fokus rückt. Ziel ist es konkret, die Praxis der Kommunalen Konfliktberatung gemeinsam zu reflektieren, sie wissenschaftlich weiter zu fundieren und im partizipativen Prozess – der Perspektiven von Praktikerinnen und Wissenschaftlerinnen systematisch und reflektiert miteinander verschränkt – weiterzuentwickeln. Damit verfügen Praktiker*innen der KKB unmittelbar über die gemeinsamen Forschungsergebnisse und können die gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis Kommunaler Konfliktberatung zurückfließen lassen, mit der sie Kommunen in Deutschland dabei unterstützen, „Veränderungsprozesse und Integration erfolgreich zu gestalten und spannungsgeladene Situationen und Konflikte nachhaltig und gewaltfrei zu bearbeiten“ (forumZFD). Zugleich wird die Praxisrelevanz der wissenschaftlichen Forschung gewährleistet, wie es für Friedens- und Konfliktforschung kennzeichnend ist.
Gefördert durch:
Europäische Union
Europa fördert
Literatur:
- Zöhrer, Michaela / Lustig, Sylvia 2023: Partizipative Erforschung der Kommunalen Konfliktberatung auf Augenhöhe, in: Spektrum der Mediation: 91, 49-52.
- Bongard, Christoph / Weller, Christoph 2023: Frieden wird uns nicht geschenkt. ForumZFD-Interview mit dem Friedensforscher Christoph Weller, in: Magazin des forumZFD 1/23, 10-13.
- Pauls, Christina/Dörner, Wolfgang/Huxol, Katharina/Lustig, Sylvia/Thomay, Marius/Weller, Christoph/Zöhrer, Michaela (2023): Konfliktbearbeitung erforschen. Ein erfahrungsbasierter Polylog über Partizipative Konfliktforschung. In: Konfliktdynamik 12: 3, Seite 221 - 228, doi.org/10.5771/2193-0147-2023-3-221
- Lustig, Sylvia/ Pauls, Christina/ Weller, Christoph/ Zöhrer, Michaela 2021: Wenn es knallt. Konfliktforschung und Konfliktberatung im Dialog, in: Großmann, Katrin/ Budnik, Maria/ Haase, Annegret/ Hedtke, Christoph/ Krahmer, Alexander (Hrsg.): An Konflikten wachsen oder scheitern? Beiträge zur Reflexion eines komplexen Phänomens. Erfurt, S. 173-190. Open Access erhältlich (Creative Commons CC-BY-SA4.0) unter: https://www.migrachance.de/publikationen/
- Weller, Christoph 2021: Konfliktbearbeitung ist der Klebstoff der Demokratie, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Kurzdossiers Zuwanderung, Flucht und Asyl: Aktuelle Themen - Zugehörigkeit und Zusammenhalt in der Migrationsgesellschaft, Open Access CC BY-NC-ND 3.0: https://www.bpb.de/gesellschaft/migration/kurzdossiers/331457/konfliktbearbeitung-ist-der-klebstoff-der-demokratie
- Weller, Christoph 2020a: Kreative Konfliktbearbeitung , in: Gemeinde creativ. Magazin für engagierte Katholiken, 63. Jahrgang, November-Dezember 2020, S. 12-13.
- Weller, Christoph 2020b: Frieden ist keine Lösung: ein bescheidener Friedensbegriff für eine praxisorientierte Konfliktforschung, in: Wissenschaft & Frieden 38 (2020) : 2, 15-18.
- Schröder, Nora/ Zöhrer, Michaela 2019: Problems of Research Partnerships: Who Learns from Whom in Conflict Transformation Processes?, in: https://www.convivialthinking.org/index.php/2019/04/19/how-do-we-know-the-world-seriespart-iv-critical-perspectives-on-the-relationship-between-scientists-and-practitioners-wholearns-from-whom-in-conflict-transformation-processes/
- Gulowski, Rebecca/ Weller, Christoph 2017: Zivile Konfliktbearbeitung. Kritik, Konzept und theoretische Fundierung, in: Peripherie 148: 37, 386-411, https://doi.org/10.3224/peripherie.v37i3.01
- Weller, Christoph 2017a: Krisenprävention bedarf reflexiver Formen der Außenpolitikberatung, in: https://peacelab.blog/2017/04/krisenpraeventionbedarf-reflexiver-formen-deraussenpolitikberatung
- Weller, Christoph 2017b: Friedensforschung als reflexive Wissenschaft, in: Sicherheit und Frieden 35: 4, 174-178.
- Weller, Christoph 2014: Konfliktanalyse in der Konfliktforschung in: Bock, Andreas M./ Henneberg, Ingo (Hrsg.): Iran, die Bombe und das Streben nach Sicherheit. Strukturierte Konfliktanalysen, Baden-Baden, 15-34.
- Weller, Christoph 2013: Konflikte in der pluralisierten Gesellschaft. Oder: Integration durch Konfliktbearbeitung, in: Reder, Michael/ Pfeifer, Hanna/ Cojocaru, Mara-Daria (Hrsg.): Was hält Gesellschaften zusammen? Der gefährdete Umgang mit Pluralität, Stuttgart, 47-53.
Informationen zur Kommunalen Konfliktberatung des Forschungspartners Forum Ziviler Friedensdienst:
Einführend: Was ist Kommunale Konfliktberatung?
- "Was ist Kommunale Konfliktberatung?" // 3-minütiger Erklärfilm
- "Wenn sich Konflikte nicht von selbst auflösen" // Beitrag von Wolfgang Dörner und Hagen Berndt (In diesem Artikel wird die KKB sehr plastisch und praxisnah beschrieben mit Beispielen etc.)
Konzept, Grundlagen und Lehrmaterialien:
- Konzeption zu KKB // umfassende Beschreibung des Ansatzes inkl. Prämissen, Methoden etc.
- Handbuch für Lehre & Weiterbildung // vom forumZFD gemeinsam mit der DHBW für Lehrende entwickeltes Handbuch, in dem der KKB-Ansatz mittels spezifischer Lehrmodule näher beleuchtet wird (inkl. Materialien wie Übungen und Folien)
- Ergänzungsmaterialien zum Handbuch // vorwiegend Übungen für Lehre und Weiterbildung
- "Integration - zwischen Konflikt und Prävention" // Buch, in dem u.a. die konzeptionellen Grundlagen der KKB ausführlich dargelegt werden
Dokumentationen zu Beratungsprozessen:
Thema Drosselstraße - Zusammenleben in Osterholz-Scharmbeck
Kooperationspartner:
forumZFD
Postkoloniale Perspektiven auf die Friedensstadt
Projektbeschreibung:
Welche postkolonialen Spuren gibt es in Augsburg? Wie geht die Friedensstadt mit ihrem kolonialen Erbe um? Was bedeutet Frieden für Augsburg vor dem Hintergrund kolonialer Unternehmungen der Handelsfamilien der Fugger und Welser? Welche Perspektiven blieben bisher unbeachtet? Mit solchen Fragen beschäftigt sich das Projekt „Postkoloniale Perspektiven auf die Friedensstadt“ des Lehrstuhls für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung, das in eine Veranstaltungsreihe im Frühjahr 2022 münden wird und durch das Kulturamt der Stadt Augsburg finanziell gefördert wird. In enger Zusammenarbeit mit lokalen Aktivist:innengruppen werden postkoloniale Spuren in Augsburg gesichtet und gesammelt, um diese der Stadtgesellschaft zur Verfügung zu stellen und im Rahmen vielfältiger Veranstaltungsformate einen gemeinsamen Umgang mit diesem kolonialen Erbe in der Friedensstadt Augsburg anzuregen. Auch werden Einsichten in die gemeinsamen Prozesse und Aktivitäten ab Februar 2022 auf dem Blog https://www.postkoloniale-friedensstadt.de zur Verfügung gestellt.
In Anbetracht der historischen Verflechtungen der Stadt Augsburg mit der Stadt Santa Ana de Coro (Venezuela), welche im 16. Jahrhundert stark durch die Kolonialaktivitäten der Welser geprägt wurden, soll ein inhaltlicher Schwerpunkt darin liegen, Perspektiven aus Coro und Venezuela einzuladen und sie in die Augsburger Stadtgesellschaft zu tragen, beispielsweise mit dem Dokumentarfilm ‚Mamparo’ und weiteren Stimmen aus Venezuela. Es ist mithin zentrales Anliegen postkolonialer Perspektiven, epistemische Perspektivwechsel zu generieren, um so Gesellschaften in den kolonialen ‚Zentren‘ zum Zuhören, Verstehen und Handeln anzuregen. So zielt das Projekt auf ein neues Selbstverständnis in der Stadt für eine friedvollere Ausrichtung an einer postkolonialen Erinnerungskultur im 21. Jahrhundert, die sich nicht nur an lokal marginalisierten, sondern auch an translokal bisher wenig gehörten Stimmen ausrichtet. Weitere thematisch fokussierte Veranstaltungen werden für das Frühjahr 2022 vorbereitet.
Gefördert durch die Stadt Augsburg
Literatur:
- Faets, Simon/ Weber, Nicki 2021: Achille Mbembe. Postkoloniale Konstellationen moderner Demokratien, in: Buchstein, Hubertus/Pohl, Kerstin/Trimҫev, Rieke (Hrsg.): Demokratietheorien: Von der Antike bis zur Gegenwart, Schwalbach am Taunus: Wochenschau Verlag, 333-342.
- Thomay, Marius 2021: Dekolonisation der Natur-Mensch-Beziehungen. Eine Kritik am Nachhaltigkeits- und Naturverständnis des globalen Norden. Tectum Verlag
- Weller, Christoph 2020: Wissenschaftsethische Herausforderungen der Internationalen Beziehungen, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 27: 2, 99-107.
- Weller, Christoph/Böschen, Stefan 2018: Friedensforschung und Gewalt: zwischen entgrenzter Gewaltanalyse und epistemischer Gewaltblindheit, in: Zeithistorische Forschungen 15: 2, 358-368.
- Weller, Christoph 2017: Friedensforschung als reflexive Wissenschaft, in: Sicherheit & Frieden 35: 4, 174-178.
- Pauls, Christina. 2013. “Kultur als neuer Rassebegriff. Die Persistenz von Postkolonialität in der Diskussion um den Kampf der Kulturen im südostasiatischen Diskurs”. In: Passauer Journal für Sozialwissenschaften. Studentische Fachzeitschrift, Heft 4 / 2013, S. 24 – 41.
Appreciate the Troublemakers. Becoming European citizens in the Anti-TTIP-protests.
Projektbeschreibung:
Doctoral thesis from Nora Schröder
In my dissertation, I analyze the different ways of experiencing oneself as a European citizen in transnational protest. My empirical work is based on the resistance to the transatlantic free trade agreement (TTIP), which I analyze as “acts of citizenship” (Isin and Nielson, 2008). Collective (European) political experiences have the potential to set identification processes in motion. In my dissertation, I reconstruct such political subjectivation processes of participants in the Anti-TTIP protests. In contrast to pre-set criteria of (good) European citizenship, I contribute to highlighting the diversity of meanings of citizenship by researching from a bottom-up perspective. Findings show great richness in the interviewees' ways of being and acting as European citizens.
In contrast to following pre-set criteria of (good) European citizenship, my research contributes to highlight the diversity of meanings of citizenship. Researching from a bottom-up perspective allows me to illuminate how the contested concept of "European citizenship" is interpretated in practice. In fact, findings show great richness in the interviewees' ways of being and acting as European citizens.
Literatur:
- Schröder, Nora Sophie (2021): Towards a Multiplicity of European Citizenship – Discovering the potential of the Anti-TTIP-Protests. In: Machin; Meidert (Hg.): Political Identification in Europe: Community in Crisis?, Emerald, 61-74.
- Schröder, Nora Sophie (2020): Die “Troublemaker”, in: Sozialwissenschaftliche Rundschau, 60:30, 3-20.
- Schröder, Nora Sophie (2020): Demokratiebildung in der Lehre, in: Lehrgut-Blog; https://lehrgut.hypotheses.org/1381#more-1381
- Schröder, Nora Sophie (2018): Perspektiven der Friedens- und Konfliktforschung auf Europa: Konflikte und ihr Potenzial für die Konkrete Utopie einer europäischen BürgerInnenschaft. in: Austrian Study Centre for Peace and Conflict Resolution: Welt im Umbruch, ASPR Report No 1, 44-51.
- Schröder, Nora Sophie (2017): A Civic Studies Perspective on European Citizens: In Search for Potential in the Conflict surrounding TTIP, in: European Societies and Politics, published online: 16.08.2017.
- Schröder, Nora Sophie (2014): Active European Citizenship between Action and Vision: “Doing Europe” as an alternative Approach to European Identity Construction, in: Open Citizenship: Youth in Europe - A lost Generation?, Vol. 5 No.2.
Reflexive Ansätze gesellschaftspolitischer Konfliktbearbeitung
Projektbeschreibung:
Was sichert die konstruktive Bearbeitung gesellschaftspolitischer Konflikte und welchen Beitrag kann hierbei eine reflexive Wissenschaft leisten? Ausgehend von der Prämisse, dass soziale Konflikte unvermeidbarer Teil gesellschaftlichen Zusammenlebens und im Falle konstruktiver Bearbeitung Motoren gesellschaftlichen Wandels sind, wendet sich dieses Projekt ausgewählten Institutionen der Konfliktbearbeitung zu. Gemeinsam mit Praxis-Partnerinnen, die diese Institutionen mit Leben füllen, sollen im Rahmen partizipativer Forschung reflexive Ansätze gesellschaftspolitischer Konfliktbearbeitung entwickelt werden.
Durch Beobachtung und Analyse der Konfliktbearbeitungsprozesse sowie der dabei gewonnenen Erfahrungen wird eine gemeinsame Reflexion der Praktiken gesellschaftspolitischer Konfliktbearbeitung ermöglicht. Orientiert an den zwischen Wissenschafts- und Praxis-Partnerinnen ausgehandelten Zielen wird dialogisches Wissen über Prozesse und Institutionen gesellschaftspolitischer Konfliktbearbeitung generiert, diese anhand der neuen Erkenntnisse weiterentwickelt und anschließend erneut einem Zyklus der Beobachtung und Analyse unterzogen. Zentral ist während des gesamten Prozesses eine kontinuierliche Reflexion erkenntnistheoretischer und -politischer Fragen (etwa: welche Asymmetrien bestimmen die Forschungsbeziehung von Wissenschafts- und Praxispartner*innen?) und der damit zusammenhängenden Konflikte, die potenziell im Forschungsprozess selbst auftauchen und darin als solche auch reflexiv bearbeitet werden.
Dieses Vorgehen antwortet auf aktuelle Herausforderungen des gesellschaftlichen Friedens, zu denen gehört, dass etablierte Institutionen gesellschaftspolitischer Konfliktbearbeitung zunehmend unter Druck geraten; außerdem fehlen für neuartige Konfliktkonstellationen entsprechende Institutionen der Konfliktbearbeitung. Daher verfolgt dieses Projekt das Ziel, die Vielfalt an Institutionen gesellschaftspolitischer Konfliktbearbeitung sichtbar zu machen sowie die konstruktive Bearbeitung gesellschaftspolitischer Konflikte durch wechselseitige Wissenstransfers und Perspektivenwechsel zu ermöglichen.
Kooperationspartner ist das Forum Ziviler Friedensdienst e.V. (forumZFD) im Rahmen von dessen Projekt Kommunale Konfliktberatung: Partizipative Wege zur nachhaltigen Integration, welches aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der Europäischen Union gefördert wird.
Literatur:
- Schröder, Nora/ Zöhrer, Michaela 2019: Problems of Research Partnerships: Who Learns from Whom in Conflict Transformation Processes?, in: https://www.convivialthinking.org/index.php/2019/04/19/how-do-we-know-the-world-seriespart-iv-critical-perspectives-on-the-relationship-between-scientists-and-practitioners-wholearns-from-whom-in-conflict-transformation-processes/
- Schröder, Nora Sophie 2017: A Civic Studies Perspective on European Citizens: In Search for Potential in the Conflict surrounding TTIP, in: European Societies and Politics 19: 1, 120-145, doi: 10.1080/23745118.2017.1363507
- Gulowski, Rebecca/ Weller, Christoph 2017: Zivile Konfliktbearbeitung. Kritik, Konzept und theoretische Fundierung, in: Peripherie 148: 37, 386-411, https://doi.org/10.3224/peripherie.v37i3.01
- Weller, Christoph 2017a: Krisenprävention bedarf reflexiver Formen der Außenpolitikberatung, in: https://peacelab.blog/2017/04/krisenpraeventionbedarf-reflexiver-formen-deraussenpolitikberatung
- Weller, Christoph 2017b: Friedensforschung als reflexive Wissenschaft, in: Sicherheit und Frieden 35: 4, 174-178.
- Schröder, Nora 2014: Active European Citizenship between Action and Vision: “Doing Europe” as an alternative Approach to European Identity Construction, in: https://oc.citizensforeurope.org/ojs/active-citizenship/
- Weller, Christoph 2014: Konfliktanalyse in der Konfliktforschung in: Bock, Andreas M./ Henneberg, Ingo (Hrsg.): Iran, die Bombe und das Streben nach Sicherheit. Strukturierte Konfliktanalysen, Baden-Baden, 15-34.
- Weller, Christoph 2013: Konflikte in der pluralisierten Gesellschaft. Oder: Integration durch Konfliktbearbeitung, in: Reder, Michael/ Pfeifer, Hanna/ Cojocaru, Mara-Daria (Hrsg.): Was hält Gesellschaften zusammen? Der gefährdete Umgang mit Pluralität, Stuttgart, 47-53.
- Ludwig, Bernhard/ Weller, Christoph 2011: Reflexion und Kommunikation: Konflikte erkennen, verstehen und verarbeiten, in: EQUA-Stiftung (Hrsg): Gesellschafterkompetenz. Die Verantwortung der Eigentümer von Familienunternehmen (EQUA-Schriftenreihe Band 10/2011), Bonn, 77-89.
Civic Studies als Konfliktforschung
Projektbeschreibung:
Als praxisorientiertes, normativ-politisch motiviertes und herrschaftskritisches Forschungsfeld haben sich die aus den USA kommenden “Civic Studies” als gewinnbringende Ergänzung zur Perspektive der Friedens- und Konfliktforschung erwiesen, wie im Fall der Anti-TTIP-Proteste in Europa exemplarisch dargestellt wird.
Literatur:
- Schröder, Nora Sophie 2017: Widerständigkeit als Bildungsziel, in: Lehrgut-Blog.
- Schröder, Nora Sophie 2017: A Civic Studies Perspective on European Citizens: In Search for Potential in the Conflict surrounding TTIP, in: European Societies and Politics, published online: 16.08.2017.
Außenpolitik im Zeitalter der Globalisierung
Projektbeschreibung:
Auch die staatliche Außenpolitik muss sich globalisieren, aber wie bewältigt sie diese Herausforderung angesichts einer ständig wachsenden Zahl von Akteuren der internationalen Politik, der grenzüberschreitenden Dimension fast jeder Fachpolitik und der institutionellen Alleinzuständigkeit eines Außenministeriums für die gesamten internationalen Beziehungen eines Staates? Die Analyse richtet sich zunächst auf den institutionellen Wandel administrativer Strukturen in den deutschen Bundesministerien, ehe durch Ländervergleiche und Einbeziehung der inter-administrativen Netzwerke die Wandlungsfähigkeit außenpolitischer Strukturen untersucht wird.
Zugleich gilt die Aufmerksamkeit transnationalen Vernetzungen in der auswärtigen Kulturpolitik, etwa dem interkulturellen Dialog zwischen Deutschland und dem Iran.
Literatur:
- Kamali Chirani, Fatemeh 2019: Does Intercultural Dialogue matter? The Role of Intercultural Dialogue in the Foreign Cultural Policy of Iran and Germany; Reihe: Außenpolitik - Diplomatie - Sicherheit/International Relations - Diplomay - Security, Band 5, Berlin, LIT-Verlag.
- Kamali Chirani, Fatemeh 2018: Intercultural Dialogue between Western and Muslim Countries: an analysis of the role(s) of intercultural dialogue in the foreign cultural policy of Iran and Gerrmany towards each other between 1998 and 2013, Dissertation, Augsburg.
- Weller, Christoph 2017: "Krisenprävention bedarf reflexiver Formen der Außenpolitikberatung“ erschienen im PeaceLab 2016 des Auswärtigen Amts zur Entwicklung neuer Leitlinien der Bundesregierung für Krisenengagement und Friedensförderung.
- Weller, Christoph 2007: Machiavellistische Außenpolitik - Altes Denken und seine US-amerikanische Umsetzung, in: Hasenclever, Andreas/ Wolf, Klaus Dieter/ Zürn, Michael (Hrsg.): Macht und Ohnmacht internationaler Institutionen. Frankfurt a. M./ New York: Campus, 81-114.
- Weller, Christoph 2007: Bundesministerien, in: Schmidt, Siegmar/ Hellmann, Gunther/ Wolf, Reinhard (Hrsg.): Handbuch zur Deutschen Außenpolitik. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 210-224.
- Messner, Dirk/ Schade, Jeanette/ Weller, Christoph 2003: Weltpolitik zwischen Staatenanarchie und Global Governance, in: Hauchler, Ingomar / Messer, Dirk / Nuscheler, Franz (Hrsg.): Globale Trends 2004/2005. Fakten, Analysen, Prognosen. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag, 234-251.
- Weller, Christoph 2002: Das fehlende Kohärenzmanagement deutscher Außenpolitik, in: Entwicklung und Zusammenarbeit (E+Z) 43, 183.
- Eberlei, Walter/ Weller, Christoph 2001: Deutsche Ministerien als Akteure von Global Governance: Eine Bestandsaufnahme der auswärtigen Beziehungen der Bundesministerien, INEF-Report 51. Duisburg: Institut für Entwicklung und Frieden (INEF), - 53 S.
- Weller, Christoph 1995: Was wird aus der deutschen Entwicklungspolitik?, in: Aus Politik und Zeitgeschichte B/29/95, 11-19.
Reflexive Außenpolitik-Beratung
Projektbeschreibung:
Um globale Herausforderungen bearbeiten zu können, sind außenpolitische EntscheiderInnen auf handlungsrelevantes Wissen angewiesen. Solches Wissen kommt unter anderem im Austausch mit wissenschaftlichen PolitikberaterInnen zustande. Damit sind Prozesse wissenschaftlicher Politikberatung auf unterschiedliche Weise am Zustandekommen außenpolitischer Entscheidungen beteiligt.
Allerdings führt „mehr Wissen“ nicht zwangsläufig zu einem besseren Umgang mit Problemlagen oder gar zu unmittelbaren Lösungen. Wissen schränkt Perspektiven auch ein, indem es die Wahrnehmung und Beschreibung von Problemen und Lösungswegen vorstrukturiert. Dementsprechend kann Politikberatung anhand etablierter Wissensbestände und Überzeugungen auch dazu führen, dass Ursachen nicht erkannt werden, Probleme sich verfestigen und neue, aber möglicherweise bessere Wege nicht beschritten werden. Solche Denkblockaden will Reflexive Politikberatung aufbrechen.
Gesellschaftlicher Wandel besteht nicht erst in beobachtbaren Veränderungen von sozialen Umständen, sondern beginnt bereits bei einer veränderten Betrachtungsweise von sozialen Zusammenhängen. Daher fragen wir im Sinne der reflexiven Politikberatung: Wie können unhinterfragte, vermeintlich gesicherte Wissensbestände aufgedeckt werden, die möglicherweise selbst zu einer Problemlage beitragen oder sie gar verschärfen? Wie können Beratungsstrukturen gestaltet werden, damit eine solche Reflexion aktueller Problem- und Krisenbeschreibungen in der deutschen Außenpolitik möglich wird?
In diesem Forschungsprojekt untersuchen wir daher die Frage: Welche Rolle spielt wissenschaftliche Politikberatung in der deutschen Außenpolitik und wie wird in den entsprechenden Beratungsprozessen mit Wissen umgegangen? Wird die Entstehung von Wissen als offen, ungesichert und wandelbar reflektiert? Welche Formen der Politikberatung sind diesem Verständnis von Wissen angemessen?
Reflexive Politikberatung bedeutet, die Umstrittenheit und Unsicherheit von Wissen und das Nicht-Wissen unmittelbar in den Beratungsprozess mit einzubeziehen. Weit verbreitete Annahmen, herkömmliche Problembearbeitungen oder etablierte Perspektiven werden in Frage gestellt. Zugleich bedeutet das, die selbst mitgestalteten wissenschaftlichen Beratungsprozesse reflexiv zu halten, also bewusst mit der eigenen Eingebundenheit in etablierte Erkenntnis- und Wissensstrukturen umzugehen.
Wir bezeichnen mit Reflexiver Politikberatung kein Beratungsmodell, sondern einen ständig veränderlichen Prozess des Umgangs mit Wissen, Unsicherheiten und Wissens-Kommunikation. Das Konzept "Reflexive Politikberatung" nimmt in diesem Projekt also die Rolle einer Forschungsperspektive ein.
Resilienz ist in den Sozialwissenschaften ein noch neues und umstrittenes Konzept. Resilienz verstanden als Widerstandsfähigkeit und/oder Anpassungsfähigkeit erfordert die Bestimmung einer Identität oder eines erwünschten Zustands. Dies ist bezogen auf soziale Systeme jedoch stets ungewiss und Gegenstand politischen Streits.
Vor diesem Hintergrund können auch SozialwissenschaftlerInnen keine abschließend resilienten Lösungen anbieten. Aber der Umgang mit politischem Streit, gegensätzlichen Situationsbeschreibungen und konkurrierenden Lösungsansätzen kann mehr oder weniger resilient vonstatten gehen.
Insofern bedeutet Resilienz aus unserer Sicht vor allem Offenheit für alternative Deutungsangebote und eine reflexive Wissens-Kommunikation. Gerade die globalen Problembeschreibungen in der Außenpolitik erfordern hohe Lern- und Anpassungsfähigkeit, um gestaltungsfähig zu sein. Kann Reflexive Politikberatung einen Beitrag dazu leisten?
Zu dieser Frage forschen wir unter anderem im Rahmen des bayerischen Forschungsverbundes ForChange.
Literatur:
- Mehring, Fabian 2018: Funkenschlag zwischen Wissen und Macht. Eine Rekonstruktion der Prozesse, Wirkungen und Herausforderungen wissenschaftlicher Policy-Beratung deutscher Außenpolitik. Dissertation, Augsburg.
- Rungius, Charlotte/ Schneider, Elke/ Weller, Christoph 2018: Resilienz - Macht - Hoffnung: Der Resilienzbegriff als diskursive Verarbeitung einer verunsichernden Moderne, in: Karidi, Maria/Schneider, Martin/ Gutwald, Rebecca (Hrsg.): Resilienz. Interdisziplinäre Perspektiven zu Wandel und Transformation, Wiesbaden: Springer, 33-59.
- Rungius, Charlotte (Arbeitspapier): Making Sense of Scientific Policy Advice in a Post-Factual World. An Epistemological Inquiry.
- Weller, Christoph/ Rungius, Charlotte 2017: Reflexive Politikberatung. Wandel erforschen und gestalten, in: Bayerischer Forschungsverbund ForChange (Hrsg.): Ergebnisse und Handlungsempfehlungen, München, 30-31.
- Weller, Christoph 2017: Krisenprävention bedarf reflexiver Formen der Außenpolitikberatung“ erschienen im PeaceLab 2016 des Auswärtigen Amts zur Entwicklung neuer Leitlinien der Bundesregierung für Krisenengagement und Friedensförderung.
- Rungius, Charlotte 2017: TTIP und die transatlantischen Beziehungen in einer geo-ökonomischen Weltordnung, in: Roos, Ulrich (Hrsg.): Deutsche Außenpolitik. Arenen, Diskurse und grundlegende Handlungsregeln, Wiesbaden.
- Weller, Christoph 2016: "Im Resilienztunnel - Bitte nehmen Sie mal die Brille ab! Reaktion auf Meyens 'Verheißungen der Resilienz'" im Blog "Resilienz" des bayerischen Forschungsverbunds ForChange https://resilienz.hypotheses.org/1064.
- Rungius, Charlotte/ Schneider, Elke/ Weller, Christoph 2016: Resilienz - Macht - Hoffnung: Der Resilienz-Begriff als diskursive Verarbeitung einer verunsichernden Moderne, Blog des Forschungsverbundes ForChange http://resilienz.hypotheses.org/964.
- Weller, Christoph 2016: "Resiliente Brexit-Reaktionen?" Beitrag im Blog „Resilienz“ des bayerischen Forschungsverbunds ForChange.
- Roos, Ulrich/ Rungius, Charlotte 2016: Neue Macht, neue Mächte, gute Gründe? Rekonstruktion einer außenpolitischen Diskursoffensive in Deutschland, in: Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik (ZfAS), 1/2016, 39-78.
- Rungius, Charlotte/ Weller, Christoph 2016: Die verheißungsvolle Schönheit der Resilienz: Zur Epistemologie eines Begriffs, Blog des Forschungsverbundes ForChange https://resilienz.hypotheses.org/611.
- Weller, Christoph 2007: Bundesministerien, in: Schmidt, Siegmar / Hellmann, Gunther /Wolf, Reinhard (Hrsg.): Handbuch zur Deutschen Außenpolitik. Wiesbaden: Springer, 210-224.
- Weller, Christoph 2004: Internationale Politik und Konstruktivismus. Ein Beipackzettel, in: WeltTrends Nr. 41, Winter 2003/2004, 107-123.
- Weller, Christoph 2003: Praxisnahe Beratung: Die verschiedenen Blickwinkel auf Konflikte, in: Chojnacki, Sven / Eberwein, Wolf-Dieter / Mehler, Andreas (Hrsg.): Sich kreuzende Blickwinkel auf innerstaatliche Gewalt und Krisenprävention. Ein Workshopbericht. Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin.
- Weller, Christoph 2002: Das fehlende Kohärenzmanagement deutscher Außenpolitik, in: Entwicklung und Zusammenarbeit (E+Z) 43, 183.
- Eberlei, Walter/ Weller, Christoph 2001: Deutsche Ministerien als Akteure von Global Governance: Eine Bestandsaufnahme der auswärtigen Beziehungen der Bundesministerien, INEF-Report 51. Duisburg: Institut für Entwicklung und Frieden.
- Weller, Christoph 1999: Demokratie in der Globalisierungsfalle? Vom demokratischen Dilemma internationaler Politik zu den Demokratisierungschancen der Globalisierung, in: Greven, Michael T./ Schmalz-Bruns, Rainer (Hrsg.): Politische Theorie - heute. Ansätze und Perspektiven. Baden-Baden: Nomos, 415-443.
Kooperationspartner:
- Reflexive Außenpolitik-Beratung
- Projektbeschreibung
Der Wandel gesellschaftlicher Selbstbeschreibung deutscher Friedenspolitik
Projektbeschreibung:
Mit der Analyse und dem Vergleich verschiedener gesellschaftlicher Selbstbeschreibungen deutscher Friedenspolitik werden Einsichten über den Wandel der politischen Kultur bezogen auf die deutsche Außenpolitik erarbeitet. Welche Gestaltungsräume bleiben bzw. eröffnen sich einer deutschen Friedenspolitik angesichts neuer Herausforderungen und Bedrohungen in ihrem internationalen Umfeld? Um diese Fragestellung zu bearbeiten, werden die massenmediale Berichterstattung, Ergebnisse von Meinungsumfragen, parlamentarischen Debatten, regierungsamtliche Darstellungen und wissenschaftliche Beschreibungen zur deutschen Friedenspolitik im Zusammenhang zentraler außenpolitischer Entscheidungen in den vergangenen zehn Jahren untersucht und zueinander in Beziehung gesetzt. Inhaltlich liegt ein spezielles Augenmerk des Projekts auf der neuen Akzentuierung deutscher Außenpolitik als Friedenspolitik nach dem Regierungswechsel 1998 sowie den Reaktionen auf ein verändertes sicherheitspolitisches Umfeld durch die US-amerikanische Außenpolitik und die Terroranschläge vom 11. September 2001.
Literatur:
Weller, Christoph 2000: Die öffentliche Meinung in der Außenpolitik. Eine konstruktivistische Perspektive: Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, - 224 S.
World Society meets Violent Conflict
Projektbeschreibung:
Disserationsprojekt von Richard Bösch
Einerseits legen die Befunde empirischer Forschung nahe, dass es sich bei der Mehrzahl der seit 1990 insgesamt rückläufigen Kriege und bewaffneten Konflikte weltweit um „innerstaatliche“ Konflikte handelt, die durchschnittlich wesentlich länger dauern als „zwischenstaatliche“ Kriege und überwiegend in Staaten außerhalb der OECD-Welt zu verorten sind. Andererseits liefern Studien zu Räumen begrenzter Staatlichkeit, zu transnational vernetzten Kriegsökonomien und zu regionalen Konfliktsystemen Indizien dafür, dass die klassischen Interpretationsmuster und analytischen Kategorien der politikwissenschaftlichen Teildisziplin der Internationalen Beziehungen (IB) immer weniger geeignet zu sein scheinen, ein sich wandelndes Kriegs- und Konfliktgeschehen in der Welt zu erfassen; die in Konflikten beobachteten, vielschichtigen grenzüber-schreitenden Beziehungen und Netzwerke sozialer, ökonomischer und politischer Art verdeutlichen, dass Konfliktparteien, -gegenstände, -austragungsformen und ihre Wahrnehmung in globale Zusammenhänge eingebettet sind oder kurz: dass es sich um weltgesellschaftliche Konflikte handelt. In meinem Dissertationsprojekt werden theoretische Vorarbeiten aufgegriffen, die Elemente aus den IB und der soziologischen Systemtheorie Luhmannscher Prägung aufnehmen und im transdisziplinären Rahmen einer konstruktivistischen Konfliktforschung verknüpfen: Erstens begreift ein an beide Disziplinen anschließender Weltgesellschaftsansatz die Entwicklung internationaler Beziehungen als Prozess der (funktionalen) Differenzierung im globalen Maßstab; ausgehend von dieser Grundannahme treten soziale Konflikte mit hohem Eskalationspotenzial insbesondere dort auf, wo unterschiedliche Muster von Differenzierungsprozessen „Brüche“ zwischen weltgesellschaftlichen Teilsystemen, etwa zwischen dem Anspruch nationalstaatlicher Machtausübung (Politik) und den dynamischen Strukturen eines globalisierten Weltmarktes (Wirtschaft), provozieren. Zweitens liegt diesem Projekt die systemtheoretische Annahme zugrunde, dass Kommunikation die konstitutive Basis alles Sozialen ausmacht; Konflikte werden vor diesem Hintergrund nicht im Hinblick auf vermeintlich materiell gegebene Ursachen verstanden, sondern weil wahrgenommene Widersprüche von Beteiligten adressiert, rezipiert und damit sozial wirkmächtig werden; Konflikte stellen somit in erster Linie diskursive Konstruktionen bzw. kommunikative Ereignisse dar. Mit Blick auf die Gretchenfrage der Friedens- und Konfliktforschung (FKF) – Wie eskalieren Konflikte? – verstehe ich selbige mit Luhmann (1984: 532f.) als „hoch integrierte soziale Systeme“, die tendenziell alle Aufmerksamkeit und alle Ressourcen in ihrer (welt-)gesellschaftlichen Umwelt für sich in Anspruch nehmen und unter den „Kontext der Gegnerschaft“ bringen. Mit anderen Worten: In eskalierenden Konflikten schließt Widerspruchskommunikation aus verschiedenen gesellschaftlichen Teilsystemen erfolgreich und dauerhaft aneinander an. Den Luhmannschen Gedanken weiterführend, möchte ich Konfliktsysteme nicht nur als abstrakte theoretische Konzepte, sondern als empirische Forschungsgegenstände auffassen, die als relationale Gebilde in ihrer Entstehung, ihrer Reproduktion und ihrem Zerfall (wissenschaftlich) beobachtbar bzw. rekonstruierbar sind; das beabsichtigte kommunikative Mapping eskalierender Konfliktsysteme wird methodisch im Rahmen einer Analyse von Textdatenmaterial umgesetzt, das aus der dokumentierten (sprachlichen) Kommunikation von KonfliktbeobachterInnen (mit anderen Worten aus den jeweils spezifischen diskursiven „Konflikt“-Konstruktionen, z.B. von Konfliktparteien oder MedienberichterstatterInnen) besteht.
Mein Dissertationsprojekt verfolgt zwei übergeordnete Zielsetzungen: Zunächst werden Eskalationsprozesse im Vorfeld organisierter kollektiver Gewalt anhand mehrerer ausgewählter Fallstudien (bewaffnete Konflikte, Kriege) detailliert nachgezeichnet. Darüber hinaus wird gezeigt, dass soziologisch-systemtheoretische Annahmen für die Konfliktforschung fruchtbar gemacht werden können und perspektivisch auch für den Bereich der Konflikttransformation bzw. Konfliktbearbeitung neue Erkenntnisse bereithalten.
Literatur:
- Bösch, Richard: Conflict Escalation, in: Oxford Research Encyclopedia of International Studies, Oxford: Oxford University Press/International Studies Associations (DOI:10.1093/acrefore/9780190846626.013.82)
- Weller, Christoph/ Bösch, Richard 2015: Globalisierung und transnationale Konflikte: Frieden aus einer Global-Governance-Perspektive. Aktualisierte Fassung 2015. – In: Online Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.): Globalisierung |pdf|
- Michaela Zöhrer/ Christoph Weller 2013: "Internationale Politik" beobachten: Perspektiven einer empirischen Semantikanalyse politischer Kommunikation in der Weltgesellschaft, in: Stephan Stetter (Hrsg.): Ordnung und Wandel in der Weltpolitik. Konturen einer Soziologie der Internationalen Beziehungen (Sonderband 28 des Leviathan, Berliner Zeitschrift für Sozialwissenschaft), Baden-Baden, 226-246.
Ressourcenkonflikte und der Wandel von Bedrohungswahrnehmungen
Projektbeschreibung:
Die Knappheit, der wachsende Verbrauch und die globale Ungleichverteilung natürlicher Ressourcen bringen ein wachsendes globales wie regionales Konfliktpotenzial hervor. Dies betrifft insbesondere mineralische Rohstoffe, die in den Abbauregionen in vielen Fällen zu Konflikten um territoriale Kontrolle, Investitionsentscheidungen sowie ökonomische Gewinnchancen und Renten führen. Lassen technologische Innovationen in der industrialisierten Welt eine steigende Nachfrage bei spezifischen Rohstoffen erwarten, müssen Ressourcenstrategien auch die damit einhergehenden Konfliktpotenziale mit einbeziehen, um Gewaltökonomien, Ressourcenfluch und Staatsversagen in den betroffenen Ländern zu verhindern. In Zusammenarbeit mit naturwissenschaftlichen Fächern (Physik, Geographie, Chemie, Materialforschung) lassen sich die sozialen Konsequenzen aktueller technologischer Entwicklungen im Bereich der Ressourcenkonflikte und ihre inter- und transnationale Bearbeitung untersuchen, um ggf. konfliktpräventive Maßnahmen zu ermöglichen. Wie wurden bisher internationale Ressourcenkonflikte bearbeitet, welche Formen der Konfliktbearbeitung haben sich bewährt und welche Ressourcenkonflikte werden sich in den kommenden Jahren verschärfen? Solchen Forschungsfragen widmen wir uns in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Umwelt (WZU) der Universität Augsburg.
Literatur:
- Jacobs, Andreas/ Weller, Christoph: Ressourcenkonflikte, in: Armin Reller/Luitgard Marschall/Simon Meißner/Claudia Schmidt (Hrsg.): Ressourcenstrategien. Eine Einführung in den nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen, Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 2013, S. 65-76.
- Weller, Christoph: Zivile Konfliktbearbeitung, in: Mir A. Ferdowsi (Hrsg.): Internationale Politik als Überlebensstrategie, München: Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit 2009, 275-296.
- Weller, Christoph (Hrsg.): Zivile Konfliktbearbeitung. Aktuelle Forschungsergebnisse (INEF-Report 85/2007), Dusiburg: Institut für Entwicklung und Frieden, 2007, 75 S.
- Bonacker, Thorsten / Weller, Christoph (Hrsg.): Konflikte der Weltgesellschaft: Akteure - Strukturen - Dynamiken. Frankfurt a.M./New York: Campus Verlag, 2006. – 326 S.
Kooperationspartner:
Wissenschaftszentrum Umwelt (WZU)
Repräsentation "ferner" Wirklichkeiten
Projektbeschreibung:
Dissertationsprojekt von Michaela Zöhrer
Repräsentation ist im wissenschaftlichen Zusammenhang spätestens seit der sogenannten Krise der Repräsentation zu einem analytischen und kritischen Schlüsselkonzept avanciert. Dabei wurde sie im Zuge gewichtiger Perspektivenverschiebungen (bzw. „turns“) in sozial- und kulturwissenschaftlicher Forschung der letzten Jahrzehnte zu einem wichtigen Leitmotiv und Begriff für die kritisch‑reflexive Beschäftigung mit (machtvollen) Praktiken der Wissensproduktion – hinsichtlich wissenschaftlicher wie außerwissenschaftlicher Wissenspraxis. Vor diesem Hintergrund widmet sich meine Arbeit Praxen der Problematisierung von Repräsentation aus einer kulturanalytischen Perspektive, die wesentlich von differenz-, praxis- und systemtheoretischen Ansätzen informiert ist. Fokussiert wird die (ethisch-)reflexive und kritische Verhandlung von Repräsentationspraxis in zwei (durchaus auch miteinander verwobenen) Zusammenhängen: Zum einen im Kontext sozial- und kulturwissenschaftlicher Diskussionen, in denen die eigene Forschungspraxis als Praxis der Repräsentation von Differenz und „Andersheit“ gefasst wird und die nach (u. a. methodisch-methodologischen) Wegen einer ethisch verantwortungsvollen und politisch gewichtigen Forschung für und mit (marginalisierten) „Anderen“ fahnden. Hierbei stehen Fragen von Autorität, von Identität(spolitik) und Essentialisierung sowie Möglichkeiten und Grenzen des (legitimen) Für-Sprechens und von Solidarität im Fokus, wie sie insbesondere vonseiten der Cultural (Media) Studies, feministischer und postkolonialer Studien zu Repräsentation diskutiert werden. Zum anderen werden kritische Debatten zur medialen Repräsentation ferner Leiden und Atrozitäten analysiert – unter anderem die sogenannte „imagery debate“, in der seit den späten 1970er Jahren die Bildsprache und allgemeiner die eigens produzierte bzw. verantwortete Repräsentationspraxis von internationalen NGOs und Hilfsorganisationen kritisch verhandelt wird (in der sog. Blogosphäre aktuell etwa als „Poverty Porn“).
Literatur:
- Zöhrer, Michaela 2018: Repräsentation "ferner" Wirklichkeiten. Dissertation, Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg.
- Zöhrer, Michaela/ Bake, Julia 2017: Telling the Stories of Others: Claims of Authenticity in Human Rights Reporting and Comics Journalism, in: Journal of Intervention and Statebuilding 11 (1) (Special Issue: The Art of Composing the Picture: Knowledge Production in Conflict and Intervention), 81-97.
- Zöhrer, Michaela 2016: Systemtheorie und differenztheoretische Forschung. Überlegungen zu einer semantik-analytischen Beobachtungspraxis, in: Hofmann, Wilhelm/Renate Martinsen (Hrsg.): Die andere Seite der Politik. Theorien kultureller Konstruktion des Politischen. Wiesbaden: VS, 137-165.
- Zöhrer, Michaela 2015: Das ‚Hungerkind‘ (in) der Praxis internationaler Hilfsorganisationen, in: Nebulosa – Figuren des Sozialen 08/2015, 11-24.
- Zöhrer, Michaela 2015: Gewöhnliche Superheld_innen. Zur universalisierten Zitierbarkeit von Superheldentum in nicht-kommerzieller Werbung, in: helden. heroes. héros 3 (2), 77-90.
- Zöhrer, Michaela/ Weller, Christoph 2013: ‚Internationale Politik‘ beobachten: Perspektiven einer empirischen Semantikanalyse politischer Kommunikation in der Weltgesellschaft, in: Stetter, Stephan (Hrsg.): Ordnung und Wandel in der Weltpolitik. Konturen einer Soziologie der Internationalen Beziehungen (Sonderband 28 des Leviathan, Berliner Zeitschrift für Sozialwissenschaft), Baden-Baden, 226-246.
Im »Südwesten« nichts Neues? Eine Analyse der deutschen Namibiapolitik als Beitrag zur Rekonstruktion der außenpolitischen Identität des deutschen Nationalstaates
Projektbeschreibung:
Das Forschungsprojekt zu den deutsch-namibischen Beziehungen wurde inzwischen abgeschlossen. Die Studie wurde in der Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung, Vol. 4:2, S. 182-224, veröffentlich. Die Studie finden Sie hier. Die in der Studie erwähnten Kodierbäume können - soweit dies aus juristischen und pragmatischen Gründen möglich ist - bei den Autoren angefragt werden.
Die ursprüngliche Skizze des inzwischen abgeschlossenen Forschungsvorhabens zu den deutsch-namibischen Beziehungen"
Die deutsche Kolonialgeschichte wirft auch bald 100 Jahre nach ihrem formellen Ende noch immer Fragen auf, die die Gegenwart gleichermaßen zu irritieren wie zu erhellen in der Lage sind. Eine dieser Fragen betrifft die historische Entwicklung und gegenwärtige Beschaffenheit der (zwischenstaatlichen) Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Diese Frage, so glauben wir, berührt unmittelbar den Kern der (außen-)politischen Kultur des deutschen Staates und stellt uns nicht nur als Wissenschaftler vor analytische Probleme, sondern auch als Bürger vor normative Herausforderungen, kurz: vor so manches Rätsel.
Unserer dialektisch inspirierten Ansicht nach konstituieren die deutsch-namibischen Beziehungen ein – politisch wie politikwissenschaftlich – oft verdrängtes Besonderes, in dem sich das Allgemeine deutscher (Außen-)Politik widerspiegelt und durch das es sich in einigen seiner Dimensionen rekonstruieren lässt. Gleichzeitig ermöglicht unser Interesse an diesem Allgemeinen eine neue Perspektive auf das Besondere der deutsch-namibischen Beziehungen, sodass die Dialektik dieser Fragestellung im Optimalfall in einen doppelten Erkenntnisgewinn mündet. Einerseits für die Frage nach den grundlegenden Eigenschaften deutscher Außenpolitik, andererseits für die Frage, nach der (jüngeren) Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der deutsch-namibischen Beziehungen.
Das grundlegende Anliegen unserer Arbeit ist also die Diskussion zweier komplementärer Fragen: (1) Was lässt sich aus der Geschichte und Gegenwart der deutsch-namibischen Beziehungen über die (außen-)politische Kultur der Bundesrepublik Deutschland erfahren und (2) wie lässt sich umgekehrt eine solche Perspektive für das Verständnis der deutsch-namibischen Beziehungen fruchtbar machen? Unser Interesse an diesen Fragestellungen ist nicht zuletzt durch die Forderung des Postkolonialismus motiviert, den Nachwirkungen der (europäischen) Kolonialgeschichte nachzuspüren, wo es nur geht, und dabei insbesondere die Metropolregionen nicht auszunehmen, zumal dann, wenn es sich um die heimische handelt. Wir teilen diesen Impetus, ohne uns dadurch unweigerlich zu bestimmten methodologischen Konsequenzen veranlasst und zur Einnahme eindeutiger theoretischer Verortungen gezwungen zu sehen. Es geht uns nicht darum, Hypothesen postkolonialer Ansätze zu „testen“, sondern darum – in Anlehnung an den grounded theory-Ansatz in der Lesart von Anselm Strauss (1994; Strauss/Corbin 1998) – eine eigene Theorie der deutsch-namibischen Beziehungen zu generieren.
Wir interessieren uns dabei für den Ort, den die „gemeinsame Vergangenheit“ in der geteilten Gegenwart Deutschlands und Namibias einnimmt und für das Was, Wie und Warum der unterschiedlichen Arten und Weisen, in denen die Bundesrepublik auf materieller wie symbolischer Ebene ihre Beziehung zu Namibia gestaltet. Weiterhin interessieren wir uns dafür, welche Bedeutung die Bundesrepublik dem Kolonialismus für die eigene Identität und welche Bedeutung sie sich selbst für die namibische Geschichte zuweist; dafür, welche Konsequenzen sie daraus zieht und wieso sie sie zieht; dafür, welchen Platz Namibia und die an Namibia gebundenen historischen Erfahrungen in der allgemeinen außenpolitischen Überzeugungsstruktur der Bundesrepublik einnehmen und was sich daraus für diese allgemeinen Überzeugungsstruktur lernen lässt; dafür schließlich, aus welchen kulturellen Reservoirs diese Überzeugungen schöpfen und dafür, ob und inwiefern sich dieses Reservoir wiederum seinerseits durch die deutsch-namibische Geschichte und Gegenwart speist.
Darüber hinaus möchten wir unsere Theorie der deutsch-namibischen Beziehungen, die wir in Form der Beantwortung der oben stehenden Forschungsfrage(n) vorlegen, zusätzlich in die folgenden Wissensdiskurse integrieren, also auf Grundlage der erarbeiteten Theorie Bezüge zu einigen Debatten herstellen, die uns derzeit beschäftigen. Der Herstellung dieser kommunikativer Anschlüsse zu anderen Wissensfeldern und Debatten wohnt ihrerseits ein doppeltes Potential inne, nämlich einerseits die Theorie der deutsch-namibischen Beziehungen zusätzlich zu verfeinern, also den Blick auf den Gegenstand zusätzlich zu schärfen und gleichzeitig in diesen nur vermeintlich voneinander getrennten Debatten ein zusätzliches Argument zu formulieren. Wir wollen dabei i) Bezug nehmen auf die fortlaufende Debatte zur Entwicklung deutscher Außenpolitik bzw. zur Frage der Identität der außenpolitischen Kultur Deutschlands (Maull 2011, Hellmann 2010) und hierzu eine eigene Positionierung vornehmen bzw. an bereits vorliegende Positionierung anschließen; wir wollen ii) unsere Rekonstruktion der deutschen (außen-)politischen Kultur mit (diesbezüglichen) Überlegungen und Konzepten postkolonialer Provenienz kontrastieren (Eckert/Wirz 2002, Varela/Dhawan2010, Ziai 2010), um die Identität deutscher Außenpolitik – zumal deren Entwicklungs-, auswärtige Kultur- und Erinnerungspolitik - noch klarer konturieren zu können; wir wollen iii) unsere Erkenntnisse in Beziehung setzen zum derzeit in der Außenpolitikforschung zentralen Aspekt nicht-staatlicher Außenpolitiken (Carlsnaes 2008; Hudson 2007), also danach fragen, welcher Art die Beziehungen zwischen dem deutschem Staat einerseits und den Vertretern nicht-staatlich organisierter Gemeinschaften wie der Herero und Nama sind und was sich hieraus für die Außenpolitikforschung lernen lässt; wir wollen schließlich iv) das breite Forschungsfeld zur Gegenwart des deutsch-namibischen Verhältnisses, genauer: zur je konkreten Aktualisierung der gemeinsamen Vergangenheit im Hier und Jetzt – Landfrage, Reparationsforderungen, Entwicklungshilfe etc. – (Werner 2004; Böhlke-Itzen 2005; Jaguttis 2005; Kößler 2005; Zimmerer 2005; Engert 2009;) um eine neue, stärker durch die Außenpolitik des deutschen Staates informierte und an ihr interessierte Perspektive ergänzen.
Bei alledem glauben wir einerseits, dass (ihre) Vergangenheit und vor allem der Umgang mit ihr etwas über die Gegenwart deutscher Außenpolitik auszusagen vermag. Andererseits sind wir mit Max Weber davon überzeugt, dass es nicht die „sachlichen Zusammenhänge der Dinge, sondern die gedanklichen Zusammenhänge der Probleme“ (Weber 1995 [1904]) sind, die disziplinäre Trennungen bedingen und es daher legitim und ratsam ist, weithin bekannte Zusammenhänge mit neuen Begrifflichkeiten, Forschungsstrategien und Perspektiven zu behelligen. Insofern lässt sich unsere Arbeit auch als von den Wissensbeständen der politikwissenschaftlichen Teildisziplin der Internationalen Beziehungen und dort sowohl den Ansätzen der Global Governance- als auch der Weltpolitik- und Außenpolitikforschung informierte Intervention in ein weitgehend geschichtswissenschaftlich dominiertes Debattenfeld verstehen, welche zugleich die (Kolonial-)Geschichte – gleichsam durch die Hintertür – in die Gegenwart der deutschen Außenpolitikforschung einschleust. Davon versprechen wir uns nicht nur als Wissenschaftler ein besseres Verständnis der sozialen Wirklichkeit, sondern erhoffen uns auch als Bürger eine breitere Diskussion über die in der Vergangenheit liegenden Ursachen und die die Gegenwart affizierenden Wirkungen deutscher Außenpolitik.
Die Kodierbäume, die der Rekonstruktion deutscher Namibiapolitik zugrunde liegen, wie sie im Beitrag „Im „Südwesten“ nichts Neues? Eine Analyse der deutschen Namibiapolitik als Beitrag zur Rekonstruktion der außenpolitischen Identität des deutschen Nationalstaats“ (in: Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung, November 2015) veröffentlicht wurde, können bei den Autoren angefragt werden.
Literatur:
- Bölke-Itzen, Janntje 2005: Die bundesdeutsche Diskussion und die Reparationsfrage, in: Melber, Henning (Hg.), Genozid und Gedenken. Namibisch-deutsche Geschichte und Gegenwart, Frankfurt/M., 103-119.
- Carlsnaes,Walter 2008: Actors, Structures, and foreign policy analysis. In: Smith, Steve/Hadfield, Amelia/Dunne, Timothy (Hrsg.), Foreign Policy. Theories, Actors, Cases. Oxford, 85-100.
- Castro Varela, Maria do Mar/ Dhawan, Nikita 2008: Mission Impossible: Postkoloniale Theorie im deutschsprachigen Raum. In: Julia Reuter und Paula I. Villa (Hg.): Postkoloniale Soziologie. Empirische Befunde, theoretische Anschlüsse, politische Intervention. 1. Aufl. Bielefeld: transcript (Postcolonial Studies, 2), S. 303–329.
- Eckert, Andreas/ Wirz, Albert 2002: Wir nicht, die anderen auch: Deutschland und der Kolonialismus. In: Sebastian Conrad, Shalini Randeria und Beate Sutterlüty (Hg.): Jenseits des Eurozentrismus. Postkoloniale Perspektiven in den Geschichts-und Kulturwissenschaften. Frankfurt am Main, New York: Campus, S. 372–392.
- Engert, Stefan 2009: Politische Schuld, moralische Außenpolitik? Deutschland, Namibia und der lange Schatten der kolonialenVergangenheit, in: Harnisch, Sebastian/Maull, Hanns W./Schieder, Siegfried (Hrsg.), Solidarität und internationale Gemeinschaftsbildung. Beiträge zur Soziologie der Internationalen Beziehungen, Frankfurt/M, 277-303.
- Hellmann, Gunther 2010: Normativ nachrüsten. Deutschlands Rolle in der Welt und wie sie zu gestalten wäre, in: Internationale Politik, Online-Ausgabe, http://www.internationalepolitik.de/2010/10/01/normativ-nachruesten/; rev. 01.12.2010.
- Hudson, Valerie M. 2007: Foreign Policy Analysis: Classic and Contemporary Theory, New York.Jaguttis, Malte (2005): Koloniales Unrecht im Völkerrecht der Gegenwart, in: Melber, Henning (Hg.), Genozid und Gedenken. Namibisch-deutsche Geschichte und Gegenwart, Frankfurt/M., 121-140.
- Kößler, Reinhart 2005: Im Schatten des Genozids. Erinnerungspolitik in einer extrem ungleichen Gesellschaft, in: Melber, Henning (Hg.), Genozid und Gedenken. Namibisch-deutsche Geschichte und Gegenwart, Frankfurt/M., 49-78.Maull, Hanns W. 2011: Deutsche Außenpolitik: Orientierungslos, in: Zeitschrift für Politikwissenschaft, Vol. 21:1, 93-117.
- Strauss, Anselm 1994: Grundlagen qualitative Sozialforschung: Datenanalyse und Theoriebildung in der empirischen und soziologischen Forschung, München.Strauss, Anselm / Corbin, Juliet (1998): Basics of Qualitative Research: Techniques and Procedures for Developing Grounded Theory, London.
- Weber, Max 1995[1904]: Die "Objektivität" sozialwissenschaftlicher und solzialpolitischer Erkenntnis. Schutterwald/Baden: Wiss. Verl.
- Werner, Wolfgang 2004: Landenteignung, Reservate und die Debatte zur Landreform, in: Förster, Larissa/Henrichsen, Dag/Bollig, Michael (Hrsg.), Namibia-Deutschland. Eine geteilte Geschichte. Widerstand-Gewalt-Erinnerung, Wolfratshausen, 292-303.
- Ziai, Aram 2010: Postkoloniale Perspektiven auf „Entwicklung“. In: PERIPHERIE 30 (120), S. 399–426.
- Zimmerer, Jürgen 2005: Rassenkrieg und Völkermord. Der Kolonialkrieg in Deutsch-Südwestafrika und die Globalgeschichte des Genozids, in: Melber, Henning (Hg.), Genozid und Gedenken. Namibisch-deutsche Geschichte und Gegenwart, Frankfurt/M., 23-48.
Zivile Konfliktbearbeitung: Vom politischen Begriff zum wissenschaftlichen Konzept
Projektbeschreibung:
In den zwanzig Jahren nach ihrer Erfindung hat sich die „Zivile Konfliktbearbeitung“ vor allem als politischer Begriff etabliert, was nicht zur Präzisierung, sondern zur Vervielfältigung von Verständnissen und Bedeutungen beitrug. In diesem Projekt wird der Versuch unternommen, durch theoretische Fundierung der begrifflichen Bestandteile „Ziviler Konfliktbearbeitung“ zu einem wissenschaftlichen Konzept zu gelangen, welches in unmittelbarer Verbindung zu Theorieansätzen der Friedens- und Konfliktforschung steht. Hierfür werden Konzepte herausgearbeitet, die sich konsistent zu einer theoretischen Fundierung Ziviler Konfliktbearbeitung verbinden lassen, strukturell orientiert an den drei begrifflichen Bestandteilen Ziviler Konflikt-Bearbeitung. In der bisherigen Begriffsarbeit wurde vor allem auf den Begriffsbestandteil des „zivilen“ abgehoben: Der Verzicht auf den Einsatz von Gewalt, die Einbeziehung nicht-staatlicher Akteure und der Prozesscharakter im Umgang mit Konflikten wurden dabei als Aspekte des „Zivilen“ unterschieden. Für die theoretische Fundierung „Ziviler Konfliktbearbeitung“ greifen wir auf ein spezifisches, soziologisches Konfliktverständnis zurück, das vor allem die positiven Aspekte sozialer Konflikte hervorhebt: Ausgangspunkt dieser Konzeption sind die Arbeiten von Georg Simmel, Lewis A. Coser und Ralf Dahrendorf, deren konflikttheoretische Ausführungen ertragreich miteinander in Verbindung gesetzt werden können. Der mit Konflikten einhergehende gesellschaftliche Wandel gewinnt damit besondere Aufmerksamkeit und die „Bearbeitung“ der jeweiligen Konflikte lässt sich dann verstehen als zielgerichtetes Handeln oder Verhalten der Konfliktparteien bzw. „Dritter Parteien“ zur Herbeiführung von Veränderungen.
Literatur:
- Gulowski Rebecca/Weller, Christoph (2017): Zivile Konfliktbearbeitung. Kritik, Konzept und theoretische Fundierung, in Peripherie Nr. 148, 37. Jg. 2017, https://doi.org/10.3224/peripherie.v37i3.01, S. 386-411
- Weller, Christoph/ Bösch, Richard 2011: Globalisierung und transnationale Konflikte: Frieden aus einer Global-Governance-Perspektive. – In: Online Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.): Globalisierung
- Weller, Christoph: Konflikte in der pluralisierten Gesellschaft. Oder: Integration durch Konfliktbearbeitung, in: Michael Reder /Hanna Pfeifer / Mara-Daria Cojocaru (Hrsg.): Was hält Gesellschaften zusammen? Der gefährdete Umgang mit Pluralität, Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 2013, S. 47-53
- Weller, Christoph: Zivile Konfliktbearbeitung, in: Mir A. Ferdowsi (Hrsg.): Internationale Politik als Überlebensstrategie, München: Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit 2009, 275-296.
- Weller, Christoph: Zivile Krisenprävention und Konfliktbearbeitung: Politische Herausforderungen und der Aktionsplan der Bundesregierung, in: Schlotter, Peter et al. (Hrsg.): Berliner Friedenspolitik? Militärische Transformation - Zivile Impulse - Europäische Einbindung (AFK-Friedensschriften, Band 34), Baden-Baden: Nomos, 2008, 109-136.
- Weller, Christoph (Hrsg.): Zivile Konfliktbearbeitung: Aktuelle Forschungsergebnisse, INEF-Report 85. Duisburg: Institut für Entwicklung und Frieden, 2007.
- Weller, Christoph: Themen, Fragestellungen und Perspektiven der Forschung zu Ziviler Konfliktbearbeitung, in: Weller, Christoph (Hrsg.): Zivile Konfliktbearbeitung: Aktuelle Forschungsergebnisse, INEF-Report 85. Duisburg: Institut für Entwicklung und Frieden, 2007.
- Weller, Christoph: Zivile Konfliktbearbeitung: Begriffe und Konzeptentwicklung, in: Weller, Christoph (Hrsg.): Zivile Konfliktbearbeitung: Aktuelle Forschungsergebnisse, INEF-Report 85. Duisburg: INEF - Institut für Entwicklung und Frieden, 2007, 9-18.
- Weller, Christoph / Kirschner, Andrea: Zivile Konfliktbearbeitung - Allheilmittel oder Leerformel? Möglichkeiten und Grenzen eines viel versprechenden Konzepts, in: Internationale Politik und Gesellschaft 4/2005, 10-29.
- Weller, Christoph: Zivile Konfliktbearbeitung: Bausteine zum Frieden, in: Trittmann, Uwe/Ehrenberg, Thomas (Hrsg.): Frieden denken - Frieden machen. Kriege haben keine Chance! (Materialien zur ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt). Dortmund: Evangelische Kirche von Westfalen, 2004, 55-60.
- Weller, Christoph: Zivile Konfliktbearbeitung im Aufwind? Regierung und Nichtregierungsorganisationen formulieren ehrgeizige Pläne, in: Weller, Chrstioph / Ratsch, Ulrich / Mutz, Reinhard / Schoch, Bruno / Hauswedell, Corinna (Hrsg.): Friedensgutachten 2004. Münster: Lit-Verlag, 2004, 279-288.
- Weller, Christoph: Menschliche Sicherheit durch Zivile Konfliktbearbeitung, in: Social Watch Deutschland (Hrsg.): Report 2004 - In Angst und Not. Bedrohungen menschlicher Sicherheit. Ein internationaler Bericht zivilgesellschaftlicher Organisationen über den Fortschritt bei Armutsbekämpfung und Gleichstellung der Geschlechter: Bonn: Social Watch Deutschland, 2004, 42-43.
Loyalität in der Weltpolitik
Projektbeschreibung:
Habilitationsprojekt von Dr. Ulrich Roos
Dieses Forschungsprojekt formuliert unter Rückgriff auf die philosophische Tradition des so genannten klassischen Amerikanischen Pragmatismus ein ontologisches Modell von Weltpolitik. An die hierbei entfaltete Theorie ist das Ziel geknüpft, durch die Auseinandersetzung mit den Wissensbeständen rationalistischer und sozialkonstruktivistischer Paradigmen einen Beitrag zu den laufenden Bemühungen zu erbringen, ein drittes, nämlich pragmatistisches Forschungsprogramm in den Internationalen Beziehungen zu elaborieren, ohne die bestehenden Gedankengebäude einreißen zu wollen. Ausgehend von der Idee, dass Überzeugungen als Handlungsregeln wirken (beliefs as rules for action) wird auf dieser Grundlage eine Theorie der Loyalität in der Weltpolitik entfaltet. Deren zentrale Bezugsgröße stellt die Annahme dar, dass sich fortlaufend die Loyalitätsverteilung (distribution of loyalties) im Blick auf weltpolitische Problemdefinitionen und die damit korrespondierenden Problemlösungen verschiebt.
Whose News? Media and Aid - The Interaction between foreign Corresponents and humanitarian Organisations in Contemporary Sub-Saharan Africa
Projektbeschreibung:
Dissertationsprojekt (abgeschlossen) von Lena von Naso
News coverage on Africa is closely connected not only with how Western audiences see the continent, but also with how a wide Western audience builds its opinion on issues that carry consequences for the public's and governments' support and policy towards development aid. The Western media reinforce a picture of a continent that drowns in chaos, is dominated by conflicts, diseases, corruption and failed democratisation. Whose interests lie behind that? How does foreign news on sub-Saharan Africa emerge, which actors are relevant in its making, and on the basis of what interests do these actors shape the coverage that is then presented as 'neutral information' to a broad international audience?
Closely examining the relationship between foreign correspondents of international news media and humanitarian organisations, Lena von Naso shows how the aid and media sectors cooperate in Africa in a unique way. Based on more than 70 interviews with foreign correspondents and aid workers operating across Africa, the book argues that the changing nature of foreign news and of aid is forcing them to form a deep co-dependency that is having a serious and largely unnoticed effect on Western news coverage.
This comprehensive examination of a new paradigm will interest students and scholars of media and journalism, African studies, development and humanitarian studies and the aid and media communities operating across Africa.
Literatur:
- Naso, Lena v. 2018: The Media and Aid in Sub-Saharan Africa. Whose News?, London: Routledge.
- Bunce, Mel 2019. Book review: Lena von Naso The media and aid in Sub-Saharan Africa: Whose news? Journalism, 20(8), 1141–1142. https://doi.org/10.1177/1464884919862053
Globale Zivile Konfliktbearbeitung? Die Zivile Krisenpräventionspolitik der Bundesregierung
Projektbeschreibung:
Die globalen Herausforderungen und Krisen, denen sich die Staaten in der Weltgesellschaft gegenüber sehen, verlangen nach Reaktionen und Strategien, mit denen sich die Systeme stabilisieren lassen. Der Aktionsplan „Zivile Krisenprävention“ und die Leitlinien "Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern" sind als ein Versuch der deutschen Außenpolitik zu verstehen, die Reduktion bzw. den Verzicht auf Gewalt in inter- und transnationalen Konflikten zu befördern bzw. zu stabilisieren. Inwiefern gelingt dies, welche Einsichten und Erkenntnisse sind in diese Konzepte eingeflossen und wie ist die Umsetzung zu beurteilen? Können die internationalen Beiträge der Bundesrepublik Deutschland zur nicht-militärischen Bearbeitung von Konflikten und Krisen in den Konfliktregionen der Welt Krisenprävention und Gewaltverhinderung und damit zur globalen zivilen Konfliktbearbeitung beitragen? Diese Fragen werden u.a. bearbeitet hinsichtlich der deutschen und europäischen Unterstützung der ECOWAS.
Geplantes Forschungsprojekt
Si vis pacem, para integrationem? Die Economic Community of West African States aus der Perspektive der Friedens- und Konfliktforschung.
Dieses Forschungsprojekt befasst sich mit der Konfliktbearbeitung in Westafrika und dem Beitrag der Economic Community of West African States (ECOWAS) zur Reduktion gewaltsamen Konfliktaustrags. Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts zeigt die Geschichte der ECOWAS eine, abgesehen von der Europäischen Union, weltweit beispiellos weitreichende Entwicklung regionaler Integration, insbesondere im Bereich Sicherheit und Frieden. Die jüngsten Beispiele ihres Engagements, die erfolgreiche Vermittlung nach einem Militärputsch in Guinea-Bissau 2012, die Vermittlung nach dem Militärputsch in Mali 2012 und die Entsendung von Eingreiftruppen, legen nahe, dass die ECOWAS, wenngleich von Zeit zu Zeit in Kooperation mit externen Akteuren (z.B. Frankreich bzw. den Vereinten Nationen im Fall Mali), zu einem als eigenständig wahrgenommenen Akteur des regionalen Konfliktmanagements innerhalb der Afrikanischen Union und damit der internationalen Politik geworden ist.
Aus der Perspektive der Friedens- und Konfliktforschung ist diese Entwicklung der ECOWAS ein Beispiel für Friedenssicherung durch Integration, insbesondere durch die Etablierung von Normen und Institutionen, die bei aktuellen und zukünftigen Konflikten die Anwendung von Gewalt verhindern sollen („zivile Konfliktbearbeitung“). Es stellt sich in diesem Zusammenhang also die Frage, inwiefern die ECOWAS friedliche, d.h. zivile Konfliktbearbeitung betreibt bzw. über Normen und Institutionen verfügt, die diese ermöglichen. Die Frage nach der „Friedensleistung“ der ECOWAS besitzt auch aus Sicht der deutschen Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik, die die ECOWAS im Rahmen ihres Schwerpunkts der „Zivilen Krisenprävention, Konfliktlösung und Friedenskonsolidierung“ umfangreich unterstützt, große Relevanz.
Ziel des Forschungsprojekts ist es, notwendige und hinreichende Bedingungen zur Erklärung der Entscheidungsprozesse der ECOWAS, d.h. der Entscheidungen bezogen auf die Wahl der Konfliktbearbeitungsstrategien, benennen zu können. Damit soll beurteilt werden, ob sich die ECOWAS zu einer Institution der zivilen Konfliktbearbeitung entwickelt hat bzw. durch ihr Engagement Normen gestärkt wurden/werden, die den Gewaltverzicht bei der Austragung politischer Konflikte in Westafrika beinhalten. Dies ist von besonderer Relevanz für die deutsche Außen- und Entwicklungspolitik, die als „Zivilmacht“ mit ihrer Unterstützung der ECOWAS auf eine gewaltfreie Regelung der regionalen Konflikte abzielt und hierfür den europäischen Integrationsprozess als gelungenes Beispiel struktureller Krisenprävention beschreibt.
Das Forschungsprojekt wurde in der Pilotphase (09/2012 - 06/2013) vom Kompetenzzentrum Kultur- und Bildungswissenschaften (KKB) der Universität Augsburg finanziert.
Projektmitarbeiter:
Prof. Dr. Christoph Weller
Richard Bösch, M.A.
Literatur:
- Weller, Christoph 2017: Krisenprävention bedarf reflexiver Formen der Außenpolitikberatung in: PeaceLab 2016 des Auswärtigen Amts zur Entwicklung neuer Leitlinien der Bundesregierung für Krisenengagement und Friedensförderung.
- Gulowski Rebecca/Weller, Christoph 2017: Zivile Konfliktbearbeitung. Kritik, Konzept und theoretische Fundierung, in: Peripherie 148:37, 386-411
- Bösch, Richard 2013: Regional organizations as new building blocks of peace? Inclusive conflict management in West Africa - some theoretical considerations, Papier präsentiert bei der 8th Pan-European Conference on International Relations vom 18. - 21. 9. 2013 in Warschau, Polen.
- Stengel, Frank A./Weller, Christoph 2010: Action Plan or Faction Plan? Germany´s Eclectic Approach to Conflict Resolution, in: International Peacekeeping 17: 1, 93-107.
- Weller, Christoph 2008: Zivile Krisenprävention und Konfliktbearbeitung: Politische Herausforderungen und der Aktionsplan der Bundesregierung, in: Schlotter, Peter et al. (Hrsg.): Berliner Friedenspolitik? Militärische Transformation - Zivile Impulse - Europäische Einbindung (AFK-Friedensschriften, Band 34), Baden-Baden: Nomos, 109-136.
- Stengel, Frank A./Weller, Christoph 2008: Vier Jahre Aktionsplan "Zivile Krisenprävention" - war das alles? (GIGA Focus Global 11/2008), Hamburg: German Institute of Global and Area Studies.
- Weller, Christoph 2007: Aktionsplan Zivile Krisenprävention der Bundesregierung - Jetzt ist dynamische Umsetzung gefordert. Eine Zwischenbilanz nach drei Jahren, INEF Policy Brief 02. Duisburg: Institut für Entwicklung und Frieden (INEF), 2007.
- Weller, Christoph (Hrsg.) 2007: Zivile Konfliktbearbeitung: Aktuelle Forschungsergebnisse, INEF-Report 85. Duisburg: Institut für Entwicklung und Frieden.
- Weller, Christoph 2007: Aktionsplan Zivile Krisenprävention: Nur eine Absichtserklärung?, in: eins - Entwicklungspolitik, Information Nord-Süd 10-11/2007, 25-26.
- Weller, Christoph 2007: Jetzt ist dynamische Umsetzung gefordert. Eine Zwischenbilanz zum Aktionsplan Zivile Krisenprävention, in: Frieden braucht Fachleute: Zeitung des Forum Ziviler Friedensdienst 3/2007.
- Weller, Christoph 2006: El Plan de Acción Alemán: Prevención Civil de Crisis, Resolución de Conflictos y Construcción de la Paz, in: Documentación Social: Revista de Estudios Sociales y de Sociología Aplicada 142 (julio-septiembre 2006). Madrid, 99-116.
- Weller, Christoph 2003: Was ist Zivile Konfliktbearbeitung?, in: Plattform Zivile Konfliktbearbeitung (Hrsg.): Frieden braucht Gesellschaft! Gesellschaftliche Ansätze in der Zivilen Konfliktbearbeitung - Eine Bestandsaufnahme. Wahlenau, 13-18.
Selbstbeschreibungen von Interaktionspraxis in internationalen Peacebuilding-Interventionen
Projektbeschreibung:
Dissertationsprojekt (abgeschlossen) von Julika Bake
Internationale Interventionen in bewaffnete Konflikte haben seit dem Ende des Ost-West-Konflikts stark zugenommen. Peacekeeping-Einsätze unter dem Mandat der Vereinten Nationen sind zu einem Standardinstrument der internationalen Konfliktregelung, Blauhelmsoldaten zu einem Symbol der internationalen Gemeinschaft geworden. Begleitet wurde diese Entwicklung im politischen Diskurs zunächst durch die 1992 vorgestellte „Agenda für den Frieden“ des damaligen UN-Generalsekretärs Boutrous Boutrous-Ghali. Er unterschied die Anforderungen an internationale Friedenseinsätze zum ersten Mal in Frieden sichernde, Frieden bildende und Frieden konsolidierende Maßnahmen und legte damit die Grundlage für das heute gängige politische Programm des „Peacebuilding“. Inzwischen ist deutlich geworden, dass die Aufgaben in den häufig komplexen Konfliktsituationen vielfältig sind und Frieden oft weitaus mehr als die Überwachung eines Waffenstillstandes (Peacekeeping) erfordert. Anspruchsvolle kontextspezifische Lösungen, z. B. für den Aufbau staatlicher Institutionen, die Förderung einer eigenständigen Wirtschaft und die Unterstützung von Versöhnungsprozessen sind notwendig (Peacebuilding). Frieden zu schaffen bedeutet dabei nicht nur einen multidimensionalen Prozess, sondern auch eine Gleichzeitigkeit, eine „Gleichräumlichkeit“ einer Vielzahl von Akteuren: internationale und lokale, staatliche und nichtstaatliche, zivile und militärische, usw.
Die sozialen Interaktionsprozesse, die sich während einer Peacebuilding-Intervention in der Einsatzregion entwickeln, werden bislang kaum untersucht. Dabei erklärt sich der Erfolg oder Misserfolg einer internationalen Intervention nicht allein durch die Strategie der internationalen Akteure, sondern vielmehr durch die vor Ort entstehende soziale Dynamik zwischen allen Beteiligten. Ich möchte in meinem Dissertationsprojekt einen Ausschnitt dieser sozialen Prozesse untersuchen, indem ich mich den Selbst- und Fremdverständnissen sowie den Interaktionsdeutungen von Intervenierenden zuwende. Der Analysegegenstand setzt sich vor allem aus den Transkripten meiner Gespräche mit deutschen Soldaten und Mitarbeitern aus der Entwicklungs- und humanitären Hilfe zusammen.
Literatur:
- Bake, Julika 2018: Interventionsalltag. Zu den Selbst- und Fremdverständnissen deutscher Intervenierender in Kriegs- und Krisengebieten, Bielefeld: transcript.
- Bake, Julika/ Meyer, Berthold 2012: The German Bundeswehr Soldier between Constitutional Settings and Current Tasks, in: Sabine Mannitz / Harald Müller (Hg.): The Image of the Democratic Soldier: Tensions Between the Organisation of Armed Forces and the Principles of Democracy in European Comparison. London: Routledge, S. 67-84.
- Bake, Julika 2011: Militär und Gesellschaft in Deutschland, in: Simone Wisotzki / Peter Schlotter (Hg.): Friedens- und Konfliktforschung – ein Studienbuch. Baden-Baden: Nomos-Verlag, S. 183-222.
Transitional Justice und Zivile Konfliktbearbeitung
Projektbeschreibung:
Vollziehen Gesellschaften einen grundlegenden politischen Wandel, stellt sich die Frage nach dem Umgang mit vergangenem Unrecht. Nach der Überwindung von Diktaturen und dem Ende von Kriegen oder Bürgerkriegen bekommt Gerechtigkeit einen besonderen Stellenwert, insbesondere bezogen auf zurückliegende Gewaltanwendung, Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen. Mit Transitional Justice werden alle Bemühungen, Maßnahmen und Instrumente bezeichnet, mit denen die früheren Verbrechen gesellschaftlich aufgearbeitet und Aussöhnungsprozesse zwischen ehemaligen Konfliktparteien in die Wege geleitet werden sollen. Aber welchen Beitrag können Transitional-Justice-Maßnahmen tatsächlich zu Ziviler Konfliktbearbeitung und innergesellschaftlichem Frieden leisten und welche Risiken sind mit Vergangenheitsbearbeitung verbunden? Welche Einsichten und Erkenntnisse lassen sich aus dem Umgang mit verbrecherischer Vergangenheit in Deutschland ableiten und inwiefern sind sie übertragbar auf Transitional-Justice-Prozesse in anderen kulturellen und politischen Kontexten?
Diesen und ähnlichen Fragen widmete sich das Forschungsprojekt „Transitional Justice und Zivile Konfliktbearbeitung“, das gemeinsam mit der Philipps-Universität Marburg durchgeführt und durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2007) sowie das Programm "zivik" des Instituts für Auslandsbeziehungen (2008/2009) finanziert wird.
Kooperations- und Förderungspartner:
- Zentrum für Konfliktforschung der Philipps-Universität Marburg
- Forschungs- und Dokumentationszentrum für Kriegsverbrecherprozesse in Marburg
- Programm zivik (zivile Konfliktbearbeitung) des Instituts für Auslandsbeziehungen e.V. (ifa)
- Auswärtiges Amt
- Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Literatur:
Weller, Christoph (Hrsg.) 2008: Transitional Justice und Zivile Konfliktbearbeitung: Projektbericht und Studien, Marburg: Zentrum für Konfliktbearbeitung.
Perspektiven der Friedenstheorie
Projektbeschreibung:
Wie lassen sich angesichts der jüngsten politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Herausforderungen sowie der theoretischen wie praxeologischen Zweifel gegenüber zahlreichen Aussagen der Friedensforschung ihre theoretisch-konzeptionellen Grundlagen weiterentwickeln? Welches Wissenschaftsverständnis dominiert dabei und welche theoretischen Vorannahmen bestimmen die theoretische Entwicklung der Friedens- und Konfliktforschung? Diese und weitere Fragen werden im Rahmen eines Konferenz- und Publikationsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis "Theorie" der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung (AFK), finanziert durch die Berghof-Stiftung für Konfliktforschung, bearbeitet.
Literatur:
- Calließ, Jörg/ Weller, Christoph (Hrsg.) 2006: Chancen für den Frieden. Theoretische Orientierungen für Friedenspolitik und Friedensarbeit (Loccumer Protokolle 76/03). Rehburg-Loccum: Evangelische Akademie Loccum.
- Calließ, Jörg/ Weller, Christoph (Hrsg.) 2004: Friedenstheorie: Fragen - Ansätze - Möglichkeiten (Loccumer Protokoll 31/03), 2. überarbeitete Auflage. Rehburg-Loccum: Ev. Akademie Loccum.
- Weller, Christoph 2004: Friedenstheorie: Aufgabenstellungen, Ansätze, Perspektiven, in: Eckern, Ulrich/Herwartz-Emden, Leonie/Schultze, Rainer-Olaf (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme. Wiesbaden: VS Verlag, 59-80.
Global Governance
Projektrahmen:
Forschungsschwerpunkt des Instituts für Entwicklung und Frieden (INEF) der Universität
Duisburg-Essen in Kooperation mit der Stiftung Entwicklung und Frieden (SEF).
Wichtigste Publikationen:
Nuscheler, Franz/Weller, Christoph 2002: Die Alternative zum Krieg gegen den Terrorismus:
Global Governance in der Friedens- und Sicherheitspolitik, in: Schoch, Bruno/Hauswedell,
Corinna/Weller, Christoph/Ratsch, Ulrich/Mutz, Reinhard (Hrsg.): Friedensgutachten 2002,
Münster: Lit-Verlag, 205-214.
Messner, Dirk/Schade, Jeanette /Weller, Christoph 2003: Weltpolitik zwischen Staatenanarchie
und Global Governance, in: Hauchler, Ingomar/Messner, Dirk/Nuscheler, Franz (Hrsg.):
Globale Trends 2004, Frankfurt a.M.: Fischer-Verlag, 235-251.
Weller Christoph 2003: Kein Frieden ohne Global Governance: Zur transnationalen Dimension
von Gewaltkonflikten, in: Wissenschaft und Frieden 21:4, 23-26.
Weller, Christoph 2003: Die Welt, der Diskurs und Global Governance: Zur Konstruktion eines
hegemonialen Diskurses – eine Replik auf Ulrich Brand, in: Zeitschrift für Internationale
Beziehungen 10:2, 365-382.
Weller, Christoph 2006: Globalisierung, transnationale Konflikte und der Frieden in der
Weltgesellschaft, in: Online-Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung: Modul Globalisierung
(www.fes-online-akademie.de).
Ansprechpartner*in:
Prof. Dr. Christoph Weller
Konstruktivismus in den Internationalen Beziehungen: Ansätze und Perspektiven für Theorien internationaler Politik
Projektrahmen:
Forschungs-, Konferenz- und Publikationsprojekt in Kooperation mit Dr. Cornelia Ulbert, Freie Universität Berlin
Wichtigste Publikationen:
Weller, Christoph 2003: Internationale Politik und Konstruktivismus. Ein Beipackzettel, in:
WeltTrends 41, 107-123.
Ulbert, Cornelia/Weller, Christoph (Hrsg.) 2005: Konstruktivistische Analysen der
internationalen Politik, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.
Weller, Christoph 2005: Perspektiven eines reflexiven Konstruktivismus für die Internationalen
Beziehungen, in: Ulbert, Cornelia/Weller, Christoph (Hrsg.): Konstruktivistische Analysen der
internationalen Politik, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 35-64.
Friedensgutachten
Projektrahmen:
Politikberatungs- und Publikationsprojekt des Instituts für Entwicklung und Frieden (INEF) der
Universität Duisburg-Essen in Kooperation mit BICC, FEST, HSFK und IFSH
Wichtigste Publikationen:
Schoch, Bruno/Hauswedell, Corinna/Weller, Christoph/Ratsch, Ulrich/Mutz, Reinhard (Hrsg.)
2002: Friedensgutachten 2002, Münster: Lit-Verlag.
Hauswedell, Corinna/Weller, Christoph/Ratsch, Ulrich/Mutz, Reinhard /Schoch, Bruno (Hrsg.)
2003: Friedensgutachten 2003, Münster: Lit-Verlag.
Weller, Christoph/Ratsch, Ulrich/Mutz, Reinhard/Schoch, Bruno /Hauswedell, Corinna (Hrsg.)
2004: Friedensgutachten 2004, Münster: Lit-Verlag.
Institut für Friedenspädagogik Tübingen (Hrsg.) 2004: Friedensgutachten 2004 – didaktisch.
Unterrichtshilfen und Materialien, Tübingen: IFT.
Ratsch, Ulrich/Mutz, Reinhard/Schoch, Bruno/Hauswedell, Corinna/Weller, Christoph (Hrsg.)
2005: Friedensgutachten 2005, Münster: Lit-Verlag.
Entwicklungspolitische Friedensarbeit
Projektrahmen:
Politikberatungsprojekt des Instituts für Entwicklung und Frieden (INEF) der Universität
Duisburg-Essen in Kooperation mit der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung, durchgeführt
gemeinsam mit Angelika Spelten.
Wichtigste Publikationen:
Weller, Christoph 2003: Die 3 Ks: Kohärenz, Komplementarität, Kooperation – Bausteine für
verantwortliche Friedensförderung in der Entwicklungszusammenarbeit, in: FriEnt Impulse 3
(Februar 2003), 5-6.
Weller, Christoph 2003: Die verschiedenen Blickwinkel auf Konflikte: Praxisnahe Beratung,
in: Chojnacki, Sven/Eberwein, Wolf-Dieter/Mehler, Andreas (Hrsg.): Sich kreuzende
Blickwinkel auf innerstaatliche Gewalt und Krisenprävention. Ein Workshopbericht (WZB-
Papers P 03-301), Berlin, 13-14.
Friedenstheorie und Gewaltzuschreibungen
Projektrahmen:
Forschungs-, Konferenz- und Publikationsprojekt in Kooperation mit Prof. Dr. Hajo Schmidt, Fernuniversität Hagen, und Prof. Dr. Jörg Calließ, Ev. Akademie Loccum
Wichtigste Publikationen:
Weller, Christoph 2003: Perspektiven der Friedenstheorie (INEF-Report 68), Duisburg: Institut für Entwicklung und Frieden.
Calließ, Jörg/Weller, Christoph (Hrsg.) 2003: Friedenstheorie: Fragen, Ansätze, Möglichkeiten (Loccumer Protokolle 31/03), Loccum: Evangelische Akademie.
Weller, Christoph 2003: Gewalt – politischer Begriff und friedenswissenschaftliche Konzepte. Eine Kritik der Gewaltfreiheit des Friedens, in: Calließ, Jörg/Weller, Christoph (Hrsg.): Friedenstheorie: Fragen, Ansätze, Möglichkeiten (Loccumer Protokolle 31/03), Loccum: Evangelische Akademie, 481-508.
Weller, Christoph 2005: Gewalt, Frieden und Friedensforschung. Eine konstruktivistische Annäherung, in: Jahn, Egbert/Fischer, Sabine/Sahm, Astrid (Hrsg.): Die Zukunft des Friedens, Band 2: Die Friedens- und Konfliktforschung aus der Perspektive der jüngeren Generationen, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 91-110.
Calließ, Jörg/Weller, Christoph (Hrsg.) 2006: Chancen für den Frieden: Theoretische Orientierungen für Friedenspolitik und Friedensarbeit (Loccumer Protokolle 76/03), Rehburg-Loccum.
Die Rolle der Massenmedien in internationalen Konflikten, analysiert an der deutschen Fernsehberichterstattung am 11.9.2001
Projektrahmen:
Forschungsprojekt des Instituts für Entwicklung und Frieden (INEF) der Universität Duisburg-Essen
Wichtigste Publikationen:
Weller, Christoph 2002: Die massenmediale Konstruktion der Terroranschläge am 11.
September 2001. Eine Analyse der Fernsehberichterstattung und ihre theoretische Grundlage
(INEF-Report 63), Duisburg: Institut für Entwicklung und Frieden.
Weller, Christoph: Das Fernsehen und die politische Deutung der Ereignisse am 11. September.
Oder: Die Kriegserklärung des Gerhard Schröder, in: Löffelholz, Martin (Hrsg.): Krieg als
Medienereignis II: Krisenkommunikation im 21. Jahrhundert, Wiesbaden: VS Verlag für
Sozialwissenschaften, 257-273.
Weller, Christoph 2005: Massenmediale Konstruktionen im außenpolitischen
Entscheidungsprozess: Die öffentliche Meinung und die deutsche Fernsehberichterstattung am
11. September 2001, in: Ulbert, Cornelia/Weller, Christoph (Hrsg.): Konstruktivistische
Analysen der internationalen Politik, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 313-346.
Ministerien als Akteure von Global Governance
Projektrahmen:
Forschungsprojekt des Instituts für Entwicklung und Frieden (INEF) der Universität Duisburg-
Essen, durchgeführt gemeinsam mit Dr. Walter Eberlei und Dr. Dirk Messner
Wichtigste Publikationen:
Eberlei, Walter/Weller, Christoph 2001: Deutsche Ministerien als Akteure von Global
Governance: Eine Bestandsaufnahme der auswärtigen Beziehungen der Bundesministerien
(INEF-Report 51), Duisburg: Institut für Entwicklung und Frieden.
Weller, Christoph 2007: Stichwort "Bundesministerien", in: Schmidt, Siegmar/Hellmann,
Gunther/Wolf, Reinhard (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Außenpolitik, Wiesbaden: Verlag
für Sozialwissenschaften, 210-224.
Kollektive Identitäten in der Weltgesellschaft
Projektrahmen:
Forschungsprojekt des Instituts für Interkulturelle und Internationale Studien (InIIS) der
Universität Bremen
Wichtigste Publikationen:
Weller, Christoph 1999: Internationale Politik und kollektive Identitäten. Anmerkungen zur
Konzeptualisierung eines modischen Begriffs, in: Reese-Schäfer, Walter (Hrsg.): Interessen
und Identitäten: Der Diskurs der Identitätsforschung. Opladen: Leske + Budrich, 249-277.
Weller, Christoph 2004: Die Aktualisierung kollektiver Identitäten bei der Deutung der
Terroranschläge am 11. September 2001, in: Jäger, Siegfried/Januschek, Franz (Hrsg.):
Gefühlte Geschichte und Kämpfe um Identität (Edition DISS, Bd. 1), Münster: Unrast-Verlag, 221-237.
Ansprechpartner*in:
Bedingungen außenpolitischen Einstellungswandels: Erklärungen des Feindbild-Zerfalls gegenüber der Sowjetunion am Ende des Ost-West-Konflikts
Projektrahmen:
Dissertationsprojekt im Fach Politikwissenschaft, eingereicht am Fachbereich Gesellschafts-
und Geschichtswissenschaften der Technischen Universität Darmstadt. Erstgutachter: Prof. Dr. Klaus Dieter Wolf.
Wichtigste Publikationen:
Weller, Christoph 2000: Die öffentliche Meinung in der Außenpolitik. Eine konstruktivistische
Perspektive, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag.
Weller, Christoph 2001: Feindbilder: Ansätze und Probleme ihrer Erforschung (InIIS-
Arbeitspapier 22/2001), Bremen: Institut für Interkulturelle und Internationale Studien.
Weller, Christoph 2002: Warum gibt es Feindbilder?, in: Hippler, Jochen/Lueg, Andrea (Hrsg.):
Feindbild Islam oder Dialog der Kulturen, Hamburg: Konkret Literatur Verlag, 49-58.
Vergemeinschaftung im Prozess der Entwicklung einer Weltgesellschaft
Projektrahmen:
Teilprojekt im Rahmen der Forschungsgruppe Weltgesellschaft unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Dieter Wolf und Prof. Dr. Lothar Brock an der Technischen Universität Darmstadt.
Wichtigste Publikationen:
Weller, Christoph 1997: Vergemeinschaftung im Prozeß der Entwicklung einer Weltgesellschaft. Projektbericht und Studien. Darmstadt: Technische Hochschule Darmstadt.
Weller, Christoph 2000: Collective Identities in World Society: Some Theoretical and Conceptual Considerations, in: Albert, Mathias/Brock, Lothar/Wolf, Klaus Dieter (Hrsg.): Civilizing World Politics: Society and Community beyond the State. Lanham, Md./Oxford: Rowman & Littlefield, 45-68.
Entwicklung einer Weltgesellschaft
Projektrahmen:
Projekt der "Forschungsgruppe Weltgesellschaft", Kooperationsprojekt zwischen der Technischen Universität Darmstadt und der J.W. Goethe-Universität Frankfurt a.M. unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Dieter Wolf und Prof. Dr. Lothar Brock
Wichtigste Publikationen:
Forschungsgruppe Weltgesellschaft 1996: Weltgesellschaft: Identifizierung eines "Phantoms", in: Politische Vierteljahresschrift 37, Nr. 1, 5-26.
World Society Research Group 2000: Introduction: World Society, in: Albert, Mathias/Brock, Lothar/Wolf, Klaus Dieter (Hrsg.): Civilizing World Politics: Society and Community beyond the State. Lanham, Md./Oxford: Rowman & Littlefield, 1-17.
Bonacker, Thorsten/Weller, Christoph 2006: Konflikte in der Weltgesellschaft: aktuelle Theorie- und Forschungsperspektiven, in: Bonacker, Thorsten/Weller, Christoph (Hrsg.): Konflikte der Weltgesellschaft: Akteure, Strukturen, Dynamiken, Frankfurt a.M.: Campus, 9-47.
Das "Soldatenurteil" und seine mediale Ausstrahlung
Projektrahmen:
Forschungs- und Publikationsauftrag der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges - IPPNW, des Komitees für Grundrechte und Demokratie, des Vereins für Friedenspädagogik Tübingen und der Humanistischen Union.
Wichtigste Publikationen:
Weller, Christoph 1990: Sind Soldaten Mörder? Analysen und Dokumente zum "Soldatenurteil". Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) (Hrsg.): Humanistische Union, Komitee für Grundrechte und Demokratie. Tübingen: Verein für Friedenspädagogik Tübingen.
Weller, Christoph 1993: Politische Instrumentalisierung der Medien. Die Analyse der öffentlichen Diskussion um das "Soldatenurteil" - eine Replik, in: Linguistische Berichte 145/1993, 235-247.